Künstliche Intelligenz: Was kann KI – und was nicht?

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Künstliche Intelligenz

Die Studie sorgte Anfang 2015 für ein Rauschen im (virtuellen) Blätterwald: Anhand der Auswertung von vergleichsweise wenigen Facebook-Likes konnten Forscher ein besseres Charakterbild einer Person zeichnen als Arbeitskollegen, Freunde oder sogar Ehepartner. Die Kollegen hatte der Rechner schon nach zehn Likes überholt, bei der Gattin oder dem Gatten waren immerhin 300 Likes nötig.

Möglich werden solche Dinge zum einen durch die Verfügbarkeit einer Vielzahl an Daten, zum anderen durch die gestiegene Rechenkapazität, die aus ihnen Muster extrahieren kann. Lernt der Rechner stetig hinzu und sammelt er so Erfahrungswissen an, mit dem er eigenständig Entscheidungen treffen kann, spricht man gemeinhin von Machine Learning oder künstlicher Intelligenz (KI/AI = Artificial Intelligence). Der Begriff ist nicht unproblematisch, da Intelligenz unterschiedlich interpretiert wird. Nichtsdestotrotz legte er in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere hin.

KI im Recruiting, im Versicherungswesen, im Marketing …

Kein Wunder: Wir leben in einer spannenden Übergangszeit. Aktuell werden immer häufiger konkrete Anwendungsfälle getestet, doch welche davon sich durchsetzen, ist derzeit noch nicht seriös zu sagen. Umso interessanter – vielleicht für manchen auch beängstigender – sind Pilotprojekte wie die drei folgenden.

„Der Algorithmus kann 42 Dimensionen einer Persönlichkeit messen“, sagte etwa jüngst Thomas Belker, Personalleiter der Talanx-Versicherung, dem Tagesspiegel über die Software, die seit einiger Zeit in dem Unternehmen eingesetzt wird. Precire habe gelernt, aus Kommunikation die Wirkungsweise, Emotionen und Eigenschaften eines Menschen vorherzusagen, schreiben die Entwickler des Tools. Teilnehmer müssen lediglich zehn bis fünfzehn Minuten von sich erzählen – was, ist egal. Bereits 150 Bewerber für die oberen Führungsebenen haben den Test bei Talanx absolviert, so Belker weiter. Vier Vorstände gingen vorneweg, und waren erstaunt, wie genau die Software sie „kennengelernt“ hatte.

Während der Test bei Talanx freiwillig ist und am Ende immer noch Menschen entscheiden, ging die japanische Lebensversicherung Fukoku 2017 einen Schritt weiter. Damit befeuerte sie vermutlich auch Ängste, die viele Menschen mit der Technologie verbinden. Sie ersetzte mehr als 30 Mitarbeiter durch ein KI-System, das die Berechnung von Schäden und Kundenansprüchen präziser und günstiger erledigen können soll als der Mensch, berichtet die Tageszeitung Mainichi. Über die Auszahlung, so heißt es weiter, wache aber auch hier am Ende ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut.

Im Marketing geht es seit jeher darum, Kundenbedürfnisse so genau wie möglich zu erfassen. Kein Wunder also, dass KI auch in diesem Bereich ausgiebig angewendet wird. Bei Zalando zum Beispiel, wie heise.de berichtet: 250 Arbeitsplätze in der Berliner Marketingabteilung fielen dort weg, weil Werbe-E-Mails künftig verstärkt von Algorithmen oder KI-Systemen verschickt werden sollen. Gleichzeitig wurden aber neue Stellen für Entwickler und Analysten geschaffen.

Hier können computergestützte Entscheidungen helfen

Richtet man den Blick von diesen Beispielen auf das große Ganze, bleibt die Frage, wie weit KI tatsächlich schon ist, sprich: Welchen konkreten Nutzen KI im Marketing heute bringen kann. Aufschluss darüber gibt unter anderem eine aktuelle Adobe-Studie. Demnach nutzen weltweit bereits 42 Prozent der Marketing-Spezialisten selbstlernende Algorithmen – oder wollen damit in den nächsten Monaten beginnen. Die Datenanalyse ist mit 51 Prozent der häufigste Anwendungsfall, gefolgt vom E-Mail-Marketing (26 Prozent) und Programmatic Advertising (22 Prozent).

Dr. Thomas Meyer, Director Business Development für Zentraleuropa bei Adobe, sieht vor allem fünf Einsatzbereiche für KI im Marketing. Dazu zählen technologiegestützte Personalisierung und ebensolches Content Management, um die richtigen Inhalte zur richtigen Zeit bereitzustellen. Auch im Targeting ist mit KI eine viel genauere Zielgruppenansprache möglich. Wie Meyer erwähnt auch Volker Helm, Managing Director beim Technologie-Unternehmen Quantcast, das Stichwort „Brand Safety“. Noch immer spielten die meisten Marketingfachleute ihre Botschaften nach „vergleichsweise primitiven Prinzipien“ aus, erklärt er. Erscheint die Werbung dann in unseriösen Umfeldern, könne das zu bösen Überraschungen führen. KI dagegen sei in der Lage, den Kontext semantisch zu analysieren und das Werbeumfeld somit zu optimieren.

Ein weiterer Bereich, der derzeit intensiv erforscht wird, sind Chatbots. Unterstützen sie heute noch recht einfache Anfragen, werden sogenannte Conversational Chatbots künftig interaktiver und persönlicher, berichtet die Messe Frankfurt. Mit jedem Gespräch lernten sie dazu und lieferten bessere Ergebnisse. Verbunden mit Predictive Analytics könnte die Software irgendwann einmal sogar Konsumentenwünsche und -verhalten vorausahnen. Dem steht momentan unter anderem aber noch die Schwierigkeit, menschliche Sprache nachzuahmen, entgegen. Zudem ist offen, ob sich Kunden mit einem Chatbot anfreunden könnten, oder gerade bei individuellen Wünschen nicht lieber mit einem persönlichen Kundenbetreuer sprechen wollen.

Fazit: Bleiben Sie den Entwicklungen im KI-Marketing auf der Spur!

KI kann bereits viel, aber ein vollwertiger Ersatz für menschliche Fähigkeiten ist sie noch lange nicht – und sie wird es vielleicht auch nie sein. Viel wichtiger ist, die Chancen zu sehen, die sie bei der Unterstützung der eigenen Tätigkeit bieten kann. Die Technologie ist da, und sie wird in den nächsten Jahren immer intensiver angewendet. Online-Händlern bringt es also nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Wer nicht gleich zur Speerspitze gehören und die Entwicklung erst einmal abwarten will, sollte sich zumindest stetig auf dem Laufenden halten. Das regelmäßige Lesen dieses Blogs kann da nicht schaden.

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By | 2018-09-04T09:05:47+00:00 04.09.2018|Categories: Online Marketing|Tags: , , |0 Kommentare

About the Author:

David Schahinian
David Schahinian arbeitet als Journalist für Tageszeitungen, Fachverlage, Verbände und Unternehmen. Nach Banklehre und Studium der Germanistik und Anglistik war er zunächst in der Software-Branche und der Medienanalyse tätig. Seit 2010 ist er Freiberufler und schätzt daran besonders, Themen unvoreingenommen und en détail ergründen zu können.

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