WirliebenMittelstand

„#WirliebenMittelstand – Als Partner des deutschen Mittelstands möchten wir kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützen, die Folgen der Corona-Krise abzufedern und ihr Business mithilfe einer nachhaltigen digitalen Strategie zu stärken.“ So heißt es auf der Landingpage von Facebook for Business für die Aktion, die seit Anfang Juli auch in Deutschland läuft und von Fachmedien sofort aufgegriffen wurde.

Nun ist Facebook nicht aus Anlass der Corona-Krise zum barmherzigen Samariter für die vielen Unternehmen geworden, die wegen der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind. Die Kampagne ist selbstverständlich Marketing. Lohnt es sich trotzdem, die damit verbundenen Maßnahmen zu checken?

Was bietet #WirliebenMittelstand an Hilfen für KMU?

Die Lage der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hat nachweislich unter den Pandemiemaßnahmen gelitten. Eine Facebook-Umfrage gemeinsam mit der Weltbank und der OECD über den Zeitraum Januar bis Mai 2020 bringt auch einige Zahlen aus Deutschland und zeigt, dass KMU in Deutschland die Krise etwas besser bewältigen als Unternehmen weltweit. So mussten 23 Prozent der deutschen KMU Personal reduzieren, weltweit aber 33 Prozent. Trotzdem, aber das ist ja bekannt, ist die Situation für viele Firmen existenzbedrohend. Die Studie soll für diese Probleme Bewusstsein in der Gesellschaft schaffen. Ob es dafür Facebook gebraucht hat …?

In vier Bereichen, die sich auf der Landingpage auch als Menüpunkte finden, wird es dann etwas handfester:

  • Finanzielle Unterstützung: Hier gibt es umgerechnet ca. 85 Millionen Euro an Fördergeldern, die an 30.000 KMU in 30 Ländern vergeben werden sollen, also durchschnittlich 2833 Euro pro Unternehmen, wobei es sich um nicht näher bezifferte Zuschüsse und Werbegutschriften handelt. Etwa zwei Wochen nach dem Launch der Kampagne war Deutschland allerdings noch nicht mit konkreten Angeboten versorgt. Unternehmen können sich lediglich bewerben.

  • Virtuelle Trainings und Coachings: Die kostenfreien Trainings sind einfach Webinare von 30 bis 45 Minuten Länge. Zu Redaktionsschluss dieses Beitrags war gerade eine Handvoll Webinare Die Aufzeichnungen befassen sich vor allem mit Facebook-Ressourcen, um mit Kunden und der Community in Verbindung zu bleiben – Umgang mit der Facebook-Seite, mit Facebook Ads oder Storytelling auf Instagram. Dinge also, die man auf den Facebook-Hilfeseiten lesend (und zwar auf Deutsch – die Webinare sind in Englisch) schneller und gezielter erfahren kann.
    Individuelle Coachings sollen außerdem in etwa 30 Minuten Fragen zur digitalen Unternehmensstrategie beantworten. Der Link führte beim ersten Test am 21. Juli zu einer Facebook-Veranstaltungsseite mit einem Coaching-Hinweis von der Vorwoche, bei der drei Interessenten seit einer Woche erfolglos auf Antwort warten, wann, wo und wie man denn nun etwas zu sehen bekommt. Eine Zugangsmöglichkeit zu einem tatsächlich individuellen Coaching-Angebot ist nicht auffindbar – auch eine Woche später noch nicht.

  • Über die Facebook-Seite „Politik und Gesellschaft“ sind dann doch jene nicht von der Landingpage aus nicht zugänglichen geplanten und abgeschlossenen Webinare direkt aufrufbar, letztere bisher zwischen ca. 45 und 80 Minuten lang. Das ist, dem Format geschuldet, eine Menge Zeit, die man aufbringen muss, ohne dass es eine Möglichkeit gibt, gezielt zu bestimmten Passagen zu springen.

  • „Neue Produkte“ und Ressourcen sind allgemein produktbezogene Kurse, Verweise auf die bereits erwähnten Webinare und ähnliche Angebote. Ein in Teilen durchaus brauchbares Krisencheck-Handbuch für Unternehmen zum Beispiel gibt es zwar auf Deutsch, die Angaben sind aber nur notdürftig oder gar nicht vom US-Original abgewandelt. So werden Tornados und Hurrikans als Szenarien aufgeführt (egal). Unnützer ist da schon, dass als Ressourcen für das Krisenmanagement ausschließlich US-Regierungsstellen und zum Beispiel das amerikanische Rote Kreuz aufgelistet sind. Das Toolkit zeigt wieder im Wesentlichen, wie man Facebook besser nutzt. Der „Partner Hub“ schließlich bietet Fachinformation zu Marketing- und Wirtschaftsthemen, allerdings wiederum teilweise länderunspezifisch oder unnütz. „Hot Topics“, also Trendthemen sind zum Beispiel nur für Großbritannien verfügbar.

So möchte Facebook Unternehmen aus der Krise helfen?

Für die knapp 3,5 Millionen (!) kleineren und mittelständischen Unternehmen in Deutschland wird die bisher nicht einmal verfügbare finanzielle Förderung (teils wie gesagt in Werbegutscheinen) kaum etwas bewegen. Selbst wenn alle 30.000 Förderungen hierher wandern würden, profitierte nicht einmal 1 Prozent der Betriebe davon. Auch die versprochenen individuellen Coachings müssten umgehend kommen, um bald zu greifen. Hier gibt es nicht einmal einen Zeithorizont. Und zusammengefasst betrachtet sind die allgemeinen Tipps kaum überzeugend. Die Inhalte, soweit sie überhaupt über die bessere (das heißt auch: für Facebook rentablere!) Nutzung der Plattform hinausgehen, lassen sich meist in kompakterer Form und auf Deutsch googeln – mit nützlicheren Suchergebnissen, von Facebook selbst wie auch von Fachmedien und -Portalen.

Fazit: Suchmaschine schlägt Social Media

Apropos Google: Wie man knapp, übersichtlich gegliedert und ohne ablenkende PR-Sprüche kleine, aber nützliche flankierende Maßnahmen darstellt, zeigt Google in seinem Leitfaden für Unternehmen, die von der Coronakrise betroffen sind. Hier gibt es zwar auch wieder den Fokus auf die eigene „Kundschaft“ im Google-My-Business-Kosmos; aber man vertut keine Zeit mit sozialem Kuscheln. Alles ist auf den Punkt, und in wenigen Minuten hat der Einzelhändler, Gastronom oder sogar das Unternehmen, das Spenden sammeln will, die passenden Information gefunden. Außerdem: Bis September gibt es „Promoted Pins“ in Google Maps kostenlos für alle Unternehmen, die registriert Smart-Kampagnen einsetzen.

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