Marketing mit Google plus

Wer ein verwaistes Google+ in seinem Google-Account hat und nach langer Zeit seine Seite dort wieder aufruft, glaubt im ersten Moment, an der falschen Adresse zu sein. Bunte Kacheln im Fenster und eine zweite Anmeldung, auch wenn man schon im Google-Konto eingeloggt ist. Dann: „Willkommen beim neuen Google+“. Warum das jetzt? Wo doch die aktiven Nutzerzahlen zwar stets umstritten, aber jedenfalls immer im Bereich winziger Bruchteile von Facebook, Twitter & Co. lagen? Und wo schon vor zwei Jahren Meldungen wie „Google+ schließt langsam den Sargdeckel“ kursierten? Doch vielleicht lohnt sich jetzt dennoch ein zweiter Blick.

Auf neuem Kurs nach der Social-Media-Achterbahnfahrt

Die Entwicklung von Google+ seit dem Start 2011 war äußerst wechselhaft. Zu Beginn des Jahrzehnts war absehbar, dass das Reich der Suchmaschine – nämlich das „normale“ Internet – zunehmend Land an Facebook verlor, was die Verweildauer der Nutzer betrifft. Google+ war daher auch als Gegenmaßnahme dafür designt. Milliarden von Inhabern eines Google-Kontos schienen ein guter Treibstoff für das Social-Media-Rennen zu sein. Aber nur Promille davon nutzten das automatisch angehängte Google+. Offizielle Zahlen speziell zu Google+, insbesondere zur Nutzung im Unternehmensbereich, sucht man vergeblich.

Irritierend mag vielfach die rasche Folge von Änderungen bei der Plattform gewesen sein. Kaum mehr als ein halbes Jahr nach Beginn stand schon das erste Redesign ins Haus. Der Nutzerzuwachs – aber eben nur über angemeldete Konten unabhängig von den Aktivitäten – stieg rasant; dann gab es wieder Meldungen zu einem massiven Umbau und einer Entkoppelung von den übrigen Google-Diensten. Und jetzt das von Google groß publizierte „neue“ Google+ mit über 50 verschiedenen Updates. Doch sind die nun für Unternehmen, die Online-Marketing betreiben wollen, wirklich interessant?

Mit Communities und Collections in Nischen vorstoßen

Um zu wissen, wie Social-Media-Marketing mit Google+ funktionieren kann, ist ein Blick auf die Versprechen für Nutzer interessant, denn deren von Google+ geschürte Erwartungen muss ja auch der Content bedienen, wenn er auf Kundengenerierung abzielt. Was Google dazu schreibt, deutet im Wesentlichen darauf hin, dass

  • sich thematische Schwerpunkte (Collections) herausbilden sollen, aus denen User sich nach ihren Vorlieben bedienen können, und zwar mit Fokus auf Bildinhalten;
  • Gemeinschaften (Communities) rund um bestimmte Interessen mit Moderatoren entstehen sollen;
  • Kommentare nach Niveau gewichtet gezeigt werden, um eine ansprechende Qualität zu gewährleisten;
  • Veranstaltungen (Events) einen neuen, prominenten Platz auf der Plattform einnehmen sollen.

Welche Beiträge auf Google+ erfolgreich sind, zeigt eine CircleCount-Untersuchung von knapp neun Millionen Beiträgen. Mit Abstand die meisten Interaktionen von Usern erzeugen Fotos, gefolgt von Text und Videos – was ein bemerkenswerter Unterschied zu Facebook ist! Wenig Anklang finden hingegen etwa Links mit weniger als 100 Zeichen Text. Text allein unter 100 Zeichen wird unterdurchschnittlich geteilt (mehr Details in der Untersuchung).

Mit diesen Schwerpunkten lassen sich z. B. Unternehmensprofile kaum prominent platzieren, schon gar nicht mit nennenswerten Reichweiten. Google+ ist konzeptionell also nicht Business-orientiert.

Die Themenzentriertheit der Plattform bietet aber für ein intelligentes und an das Umfeld angepasstes Content-Marketing reizvolle Möglichkeiten. Die müssen Unternehmen sich natürlich passend zu ihren Produkten und Services spezifisch herauspicken. Dann aber besteht durchaus die Chance, nicht nur Aufmerksamkeit und sogar Leads zu gewinnen, sondern auf dem Umweg über Influencer auch etwas für die Suchmaschinenoptimierung zu tun. Den Aufwand gilt es gut zu kalkulieren, denn Gießkannenmarketing wird hier nicht funktionieren. Und für eine Prognose, wie sich Google+ zukünftig entwickeln wird, ist es noch sehr früh. Geschrieben wird allerdings schon eifrig darüber.

Tipps für den Einstieg in Google+-Seiten und das Brand-Konto

Unternehmen, die nicht ganz jungfräulich in Google einsteigen, sollten ihre Account-Bestände zuvor durchforsten. Die Wahrscheinlichkeit für ein schon bestehendes Kuddelmuddel an Firmenprofilen im Google-Kosmos ist nämlich erheblich. Folgendes sollten Sie prüfen:

  1. Gibt es mehr als ein Google-Konto, unter dessen Dach Seiten oder Profile des Unternehmens existieren? Das kann passieren, weil Konten immer an Personen gebunden sind. Alle Seiten und Profile sollten unter einem Konto zusammengefasst sein.
  2. Doubletten kann es zusätzlich wegen der Vielfalt der Dienste von Google geben – aber auch innerhalb desselben Dienstes. Neben Google+ sind hier die üblichen Verdächtigen Google Maps und Google My Business (früher Google Places). Auch ein YouTube-Kanal sollte im selben Google-Konto wie die übrigen Dienste integriert sein.
  3. Doppelte Seiten bzw. Profile, evtl. auch doppelte Konten, sollten von der Kontoseite aus gelöscht werden, nachdem eventuell noch gebrauchte Inhalte gespeichert worden sind.
  4. Schließlich kann mithilfe der Google-Supportseite ausgehend von einer Google+-Seite ein sogenanntes Brand-Konto gestartet werden.

Fazit: Behalten Sie Google+ auf Ihrem Social-Media-Radar!

Seit dem Relaunch von Google+ im Januar 2017 werden haufenweise Einschätzungen zur Marketingtauglichkeit der Plattform publiziert – bisher aber natürlich ohne große Erfahrungswerte. Es lohnt sich daher, auch in nächster Zeit mit einer Google-Suche „google+ marketing“ (zeitlich eingegrenzt auf die letzten Monate) auf dem Laufenden zu bleiben. Und mit etwas Herumstöbern in thematisch relevanten Bereichen auf Google+ selbst bekommt man auch schon ein erstes Gefühl für die Tonlage und die Formate, die hier gefordert sind.

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