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Ende August und in der ersten Septemberhälfte 2016 beobachteten viele Webmaster Bewegungen in den von Google gelieferten Suchergebnissen, die über die gewohnten Schwankungen hinausgingen. Google gab zu diesen Schwankungen zunächst keinen Kommentar ab. Auf Nachfragen teilte dann aber John Mueller von Google über seinen Twitter-Account mit, dass sich Google bei über 1000 Updates pro Jahr nicht zu jedem einzelnen äußern kann.

Damit gab der Suchmaschinenriese zu, was in den Daten deutlich zu sehen war, ohne allerdings genauer zu erklären, was er tat und warum. Allerdings waren die Veränderungen mehr als offensichtlich. So schrieb der Blogger und SEO-Experte Jörg Niethammer, dass sich zum Monatswechsel August/September erste Hinweise gezeigt hatten.

Überraschende Verschiebungen in den lokalen Suchergebnissen

Im so genannten Local Pack, also den Ergebnissen der lokalen Suche, waren Veränderungen sichtbar, die auf ein Qualitätsupdate schließen ließen. Unternehmen, die in auf eine bestimmte Region bezogenen Suchergebnissen auftauchten, obwohl sie dort keine Niederlassung haben, waren am stärksten betroffen. Für Niethammer hat Google versucht, Spam auszuschließen und das Suchergebnis für seine Nutzer zu verbessern. Lokale Seiten, deren Adresse nicht nur bei Google My Business, sondern auch an anderen Orten im Netz hinterlegt ist, haben im Local Pack nun größeres Gewicht als vorher.

Niethammer, der Unternehmen bei der SEO berät, sah sich die Webauftritte seiner Kunden an und stellte fest, dass sie in den Suchergebnissen zwischen 10 und 50 % schwankten; allerdings hatten sich viele der Seiten mit klarer Produktspezialisierung zum Teil auch deutlich verbessert.

Diese Veränderungen in den Rankings zeigten sich nach und nach global. Wie Michael Schöttler auf seinem lesenswerten Blog schrieb, stellten Webmaster auf der ganzen Welt Veränderungen bei ihren Projekten fest. Da man mittlerweile von einer Art SEO-Wetterlage spricht, kann man sich diese Veränderungen auch als Temperaturschwankungen vorstellen. Gegen Ende der letzten Augustwoche hatten sich die Temperaturen wieder abgekühlt. Doch auch Schöttler stellte bei einigen Projekten Änderungen in der Sichtbarkeit von um die 50 % fest.

Die Folgen des „Possum Update“

Die US-amerikanische Autorin und SEO-Expertin Joy Hawkins spricht in ihrer eigenen Untersuchung auch vom „Possum Update“. Sie sah sich die Veränderungen in den Suchergebnissen für 1307 verschiedene Geschäfte zu 14.242 Suchbegriffen an. Stichtage waren der 31. August und der 7. September. Das sind ihre Ergebnisse:

  • 9 % der Suchwörter sorgten dafür, dass Unternehmen in den lokalen Suchergebnissen auftauchten, die vorher dort nicht angezeigt worden waren.
  • 11 % der Suchwörter zeigten, dass Unternehmen ihre Position in den Suchergebnissen um drei oder mehr Positionen verbessert hatten.
  • 15 % der Suchwörter zeigten, dass Unternehmen ihre Position in den Suchergebnissen um eine oder zwei Positionen verbessert hatten.
  • 35 % der Suchwörter zeigten keine Veränderungen.
  • 15 % der Suchwörter zeigten, dass Unternehmen um ein oder zwei Positionen niedriger eingestuft worden waren.
  • 14 % der Suchwörter zeigten, dass Unternehmen sich um mehr als drei Positionen verschlechtert hatten.

Schlussfolgerung: 64 % der Suchwörter zeigten eine Veränderung. Allerdings sieht Hawkins noch weiteren Untersuchungsbedarf, um zu verstehen, was genau das Possum Update bewirkt, speziell welche Ranking-Faktoren neuerdings vom allmächtigen Algorithmus anders gewichtet werden.

Google interessiert, warum Menschen etwas suchen

Der SEO-Experte und Blogger Martin Mißfeldt sieht dieses Update als Teil eines Prozesses, den Google mit dem so genannten „Phantom-Update“ eingeleitet hatte. Er ist der Ansicht, dass Google nicht nur seitenspezifische Metriken wie Inhalt, Links, Nutzerverhalten usw. untersucht, sondern auch die Absichten der Nutzer. Die Experten bei Google versuchen herauszubekommen, welche Suchabsicht möglicherweise hinter einem bestimmten Suchbegriff steht, etwa: Wie viele Menschen bevorzugen bei einem Begriff beispielsweise eher News, wie viele eher einen Shop, wie viele eher eine Ratgeberseite? Das lässt sich dann anhand des Such- und Klickverhaltens ermitteln.

Diese übergeordnete Analyse von Nutzerintentionen ist aber etwas Neues. Bisher basierte der Google-Algorithmus auf Ranking-Faktoren, die aufgrund von Indikatoren der Website ermittelt wurden, also durch Untersuchung der Angebotsseite. Die Suchanfrage ist aber die Angebotsseite, die Google bislang nicht betrachtet hat. Mit dem aktuellsten Core Update will der Suchmaschinenriese nun aber auch die Nachfrageseite stärker berücksichtigen.

Fazit: Lernen Sie Ihre Besucher besser kennen!

Wie diese Userintentionen aussehen, filtert Google aus den Milliarden von Klicks heraus, die Stunde für Stunde und Tag für Tag im Internet aufblitzen. Der Algorithmus trifft also eine Aussage darüber, wie die Zielgruppe einer bestimmten Website aussehen könnte. Wenn Ihre eigene Seite Verluste hinnehmen muss, dann haben Sie aus der SEO-Perspektive nicht unbedingt etwas falsch gemacht, sondern Google hat herausgefunden, dass – bezogen auf ein bestimmtes Suchwort – Ihre Zielgruppe eben nicht die Mehrheitsmeinung vertritt. In jedem Fall aber sagt Ihnen das etwas über Ihre Besucher.

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