Semantische Suche

Man kann „Uhrzeit“ googeln oder „Wie spät ist es“ – in jedem Fall bekommt man die aktuelle Zeit plus alle Millionen Infos, die man kriegen wollte (oder auch nicht). Bei der sogenannten semantischen Suche versteht nämlich die Suchmaschine den Sinn einer Frage auch dann, wenn der zentrale Begriff (z.B. „Zeit“) gar nicht vorkommt. Was bedeutet das aber für die Suchmaschinenoptimierung, vor allem beim Webtext?

Vor gefühlten 100 Jahren wurden wichtige Keywords noch mit der Gießkanne über die Seiten verteilt, um Google zu zeigen, dass man der Pizzaservice überhaupt ist. Dann verschob sich der Streit darauf, ob 7, 12 oder 14 % Keyword-Dichte optimal sind. Auch das vergeht gerade. Die Antwort auf semantisch intelligentes Google lautet jetzt: WDF*IDF.

Orientierung an den tollsten Seiten eines Themas

Man verrechnet mit WDF*IDF die Gewichtung eines Terms innerhalb eines Textes (Within Document Frequency/WDF) mit der Häufigkeit des Terms in einer bestimmten Vergleichsmenge anderer Texte (Inverse Document Frequency/IDF). Das Sternchen dazwischen ist ein Mal-Zeichen und meist das Einzige, was Nichtmathematiker verstehen. Denn in der Praxis stehen die sechs Buchstaben für einen ganzen Satz von Formeln. Deren praktischer Nutzen ist, dass Suchmaschinen erkennen können, wie z.B. die wichtigsten Begriffe bei den Topseiten eines Themas in den übrigen Inhalt eingebettet sind: „Alternativen zu Aktien“ steht dort etwa bei „Anlageberatung“ und „Verlustrisiko“. Andere Seiten, die diese Zusammenhänge ebenfalls vorweisen, gewinnen damit Vertrauen. Das Ganze ist hochgradig komplex; es gibt aber von Karl Kratz einen ebenso hochgradig unterhaltsamen Artikel, der das gut erklärt.

Etliche Tools ermöglichen es, zumindest testweise kostenlos zu ermitteln, wie die eigene Website unter WDF*IDF-Aspekten abschneidet. Im Mittelpunkt stehen dabei jene Begriffe, die z.B. für ein Unternehmen zentral sind („Alternativen zu Aktien“ etwa für eine Bank). Seine Seiten nach den Ergebnissen zu optimieren, die diese Tools ausspucken, setzt allerdings voraus, dass man sich in den analysierten Daten zurechtfindet. Eine erste Ahnung, was dabei herauskommen kann, vermitteln schlichte Textassistenten.

Kein Allheilmittel, aber der aktuelle Ranking-Hebel

WDF*IDF wurde erfunden, um gute Websites besser zu verstehen – nicht um schlechten Inhalt für Google zu dopen. SEO-Foren spekulieren bereits, dass neue Algorithmen solche Tricksereien gnadenlos abstrafen. Mit Sicherheit trifft das Seiten, die nur in diesem Punkt optimiert sind, sonst aber wenig Vertrauen erwecken. SEO muss also auch weiterhin ganzheitlich vorgehen.

Karl Kratz empfiehlt nicht von ungefähr: „Liebe Deinen Texter. Lass ihn die geilsten Texte überhaupt schreiben und bezahle ihn dafür königlich.“ Das läuft auf die alte Google-Weisheit hinaus, dass Inhalte für Menschen da sind, nicht für Suchmaschinen. WDF*IDF wird für solche Texte das sein, was die letzte Prise Salz aus der Suppe macht: ein Gedicht.

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