Vorgänger von Google und alternative Suchmaschinen

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Suchmaschinen

Für viele sind die frühen 1990er Jahre die Zeit, in der das Internet geboren wurde. Damals wurden die ersten Webseiten gebaut und die ersten E-Mails verschickt. Auch die ersten Browser wurden programmiert und die ersten frühen Suchmaschinen und Webkataloge entstanden. Google, mittlerweile unbestrittener Marktführer mit enormer auch kultureller Prägekraft, war eigentlich eher ein Spätstarter. Vor allem ist heute weitgehend vergessen, dass es in den 1990ern und frühen 2000ern Suchmaschinen mit wesentlich größerer Reichweite als Google gab. Allerdings sind Namen wie Altavista, Infoseek oder Lycos heute Geschichte. Der früher wesentlich stärkere Konkurrent Yahoo ist zwar weiterhin am Markt aktiv, hat aber mehrere einschneidende Veränderungen durchlaufen. Stattdessen gibt es alternative Suchmaschinen, die unter der Flagge von Datenschutz und Privatsphäre segeln.

Brin, Page und der PageRank: Googles Anfänge

Google selbst feierte am 27. September 2018 seinen offiziellen 20. Geburtstag, aber mit einer kuriosen Begründung: Am 27. September 2002 wurde der Firmengeburtstag zum ersten Mal mit einem Google Doodle gefeiert. Rechtswirksam gegründet wurde das Unternehmen aber am 4. September 1998 – dieses Datum gibt auch die Google-Suche selbst als Geburtstag aus. Die beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page registrierten die Domain google.com aber schon im Jahr davor, nämlich am 15. September 1997. Nach Internet-Maßstäben noch einmal eine Ewigkeit vorher, nämlich 1996, entwickelten die beiden ihren PageRank-Algorithmus. Der bestimmte das Ranking einer Website daraus, wie oft diese von anderen Seiten verlinkt wurde, nicht daran, wie oft ein Suchbegriff auf einer Seite auftauchte.

Die ersten Suchmaschinen: Archie, Gopher und Wanderer

Aber die Anfänge des World Wide Webs prägten andere. Die erste Suchmaschine überhaupt war Archie, eine Suchmaschine, die 1990 speziell dafür entwickelt wurde, FTP-Archive (File Transfer Protocol) zu indexieren. Die Idee zu Archie hatten die Studenten Alan Emtage, Peter Deutsch und Bill Heelan an der McGill University School of Computer Science in Montreal. Sie fingen an, Suchroboter zu programmieren, die das Internet systematisch absuchten und Informationen sammelten. Archie sollte eine zentrale Datenbank für alle auf anonymen FTP-Servern liegenden Dateien und Verzeichnisse erzeugen. Allerdings fand man über Archie nur Inhalte, wenn man schon Teile oder Fragmente der gesuchten Datei kannte. Archies Bedienung war komplex, sodass das benutzerfreundliche World Wide Web Archie in den Hintergrund drängte. 1999 mussten außerdem sämtliche Archie-Server wegen juristischer Probleme abgeschaltet werden.

Gopher, das 1991 unter der Leitung von Mark P. McCahill an der Universität von Minnesota entwickelt wurde, bot da schon etwas mehr. Gopher gilt als erster Schritt in die Welt der auf öffentlichen Servern hinterlegten, strukturierten und mit Hyperlinks ausgestatteten Informationen. Allerdings konnte Gopher, zu deutsch etwa „Wühlmaus“, nur auf Informationen zugreifen, die auf speziellen Gopher-Servern lagen.

Gopher entstand, weil FTP allgemein umständlich zu handhaben war. Man musste sich einloggen und über Konsolenbefehle in Verzeichnisse wechseln. Dort fand man dann hoffentlich die gewünschte Datei und konnte sie herunterladen. Gopher machte das alles wesentlich einfacher. Mitte der 1990er Jahre begannen viele Institutionen in den USA damit, auf einem Gopher-Server Informationen für die Allgemeinheit bereitzustellen. Mit dem Aufschwung des World Wide Web verlor dieser sogenannte Gopherspace jedoch immer mehr an Bedeutung.

Außerdem begann die Universität von Minnesota Anfang 1993, für die Nutzung von Gopher Gebühren zu verlangen. In einem Umfeld, das von kostenlosen Angeboten dominiert wurde, war das eine drastische Einschränkung. Zudem sind Gopher-Seiten reine Textdateien, die auf einem anderen Protokoll basieren als HTTP oder FTP. Für die Gopher-Server, die es noch gibt, und die Erforschung des Gopherspace braucht man eine eigene Suchmaschine.

1993 spielte Matthew Gray am Massachusetts Institute for Technology (MIT) dann seinen World Wide Web Wanderer aus. Er basierte auf der Programmiersprache Pearl und sollte Wachstum und Größe des Internets vermessen. Der Wanderer erzeugte einen eigenen Web-Index, den Wandex. 1995 wurde das Projekt eingestellt.

Auskunft mit Werbung: Crawler und Infoseek

Der Crawler dagegen hat bis heute als Metasuchmaschine überlebt. Er startete 1994 als WebCrawler, die erste, öffentlich verfügbare Suchmaschine mit Volltextindexsuche. WebCrawler entstand 1994 als Desktop-Anwendung des Studenten Brian Pinkerton. Noch im gleichen Jahr ging WebCrawler mit einem eigenen Suchindex online. Die Suchmaschine wechselte mehrfach den Besitzer und gehört seit 2001 InfoSpace, das sich mittlerweile in Blucora umbenannt hat.

Infoseek wurde 1994 von Steve Kirsch in Kalifornien gegründet. Ursprünglich gehörte die Suchmaschine der Infoseek Corporation. Im September 1997 hatte Infoseek 7,3 Millionen Besucher im Monat, damals eine beachtliche Zahl. 1998 kaufte Walt Disney eine Beteiligung von 43 Prozent an Infoseek und erwarb gleichzeitig den Medienkonzern Starwave Corporation, zu der ESPN.com und ABCNews.com gehörten. 1999 schluckte Walt Disney die Suchmaschine dann komplett und machte aus allen drei Webplattformen das go.com-Portal. Eine der Entwickler von Infoseek, Li Yanhong, zog nach China und gründete in Peking die chinesische Suchmaschine Baidu. Disney stellte Infoseek 2001 ein und verkaufte die Software-Technologie an Inktomi.

In seiner Zeit war das Unternehmen sehr innovativ. Infoseek war eine der ersten Suchmaschinen, die Werbung auf CPM-Basis (cost per thousand impressions) verkaufte. Der erste Kunde war 1997 Procter & Gamble mit einer Kampagne für Windeln. Infoseek war im folgenden Jahr auch das erste Internet-Unternehmen, das mit speziellen Algorithmen das Suchverhalten der Nutzer analysierte, um so Werbung zielgenauer auszuspielen.

Einst populär, heute vergessen: Lycos und Altavista

Lycos, um die Jahrhundertwende eine recht bekannte Suchmaschine, wurde 1995 gegründet. Lycos Europe entstand 1997 als Joint Venture zwischen Lycos, Inc., und der Bertelsmann AG. Mit Googles Aufstieg und bedingt durch mehrere Umstrukturierungen büßte Lycos seine frühere Bedeutung ein. Lycos Europe wurde im November 2008 liquidiert. Die meisten Dienste wurden eingestellt, nur Tripod, ein Webhosting-Service und die Wissenscommunity Lycos IQ (später COSMiQ, dann in gutefrage.net aufgegangen) blieben mit neuen Eigentümern und neuer Firmierung aktiv. Allerdings existiert das US-Unternehmen weiterhin und bietet heute verschiedene Webseiten mit E-Mail-, Webhosting- und Social-Networking-Diensten an.

Im gleichen Jahr wie Lycos ging auch Altavista an den Start. Die Suchmaschine entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts der Digital Equipment Corporation. Sie wurde von Louis Monier, Joella Paquette und Paul Flaherty entwickelt. 2000 startete Altavista als Reaktion auf Google eine weitere Suchmaschine unter der Bezeichnung Raging Search, aber der große Erfolg blieb aus. 2003 kaufte Overture das Unternehmen und wurde wenig später wiederum von Yahoo gekauft. Ab 2010 wurden alle Suchanfragen an Altavista zu Yahoo umgeleitet, und 2013 kam das endgültige Aus für Altavista.

Konkurrenten bis heute: Yahoo und Bing

Yahoo wurde 1994 von David Filo und Jerry Yang gegründet, die damals als Doktoranden an der Universität Stanford arbeiteten. Zunächst hatte das Projekt eher studentischen Charakter und entwickelte sich zu einer kommerziellen Bookmark-Sammlung. 1995 wurde das Unternehmen offiziell gegründet und ging im folgenden Jahr an die Börse. Im Oktober 1996 ging die deutsche Portalseite online. Später folgten Portale in Japan, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Schweden und viele andere. Allerdings platzte mit der Dotcom-Blase auch Yahoo. Das Unternehmen ergänzte nun viele seiner kostenlosen Dienste durch zahlungspflichtige Angebote, kaufte die Jobbörse HotJobs und die Fotoseite Flickr. Bis 2004 verwendete Yahoo Datenbestände von Google, Altavista und Inktomi, ging dann aber eigene Wege. 2009 schloss das Unternehmen einen Vertrag mit Microsoft. Dadurch wurde Microsofts Suchmaschine Bing zur exklusiven Suchtechnologie für Yahoo. Im Gegenzug übernahm Yahoo den weltweiten Vertrieb der Textanzeigen für die beiden Unternehmen. Ende kommenden Jahres läuft der Vertrag jedoch aus.

Ask.com, gegründet 1996 von Garret Gruener und David Warton, war ursprünglich eine Suchmaschine, liefert inzwischen aber nur noch Antworten aus einem festen Bestand von Fragen und Antworten.

Googles größter Konkurrent ist derzeit Bing aus dem Hause Microsoft. Bing entstand 2009 aus Live Search, einer ebenfalls von Microsoft konzipierten Suchmaschine. Bing war nicht die erste Suchmaschine, die der Softwarekonzern aus Seattle an den Start schickte. Bereits 1999 hatte das Unternehmen mit MSN Search versucht, auf dem damals bereits umkämpften Markt der Suchmaschinen Fuß zu fassen.

Bing ging 2009 online. Im folgenden Jahr lag die Suchmaschine auf Platz 3 der „meistbesuchten Suchmaschinen“ hinter Google und Yahoo. 2012 überarbeitete Microsoft das Erscheinungsbild, um auch soziale Netzwerke besser zu erfassen. Seitdem zeigt Bing in einer eigenen Suchleiste auch Daten von Facebook, Quora, Foursquare, Twitter oder LinkedIn. Außerdem war das Bewertungssystem von Klout integriert.

Seit 2010 arbeitet Bing mit Facebook zusammen. Dadurch beeinflussen Bewertungen der Facebook-Nutzer die Algorithmen der Suchmaschine. Für Baidu in China übernimmt Bing das Beantworten aller englischsprachigen Suchanfragen.

Übrigens steckt die Suchtechnologie von Bing auch in der „ökologisch inspirierten Website zur Websuche“ Ecosia, die nach eigenen Angaben 80 Prozent ihrer Gewinne aus Werbeanzeigen in Aufforstungsprojekte in Burkina Faso, Madagaskar, Indonesien und Peru investiert.

Die nächste Generation: StartPage, DuckDuckGo, Qwant

Allerdings stehen sowohl Google als auch Bing wegen ihrer Verwendung von Nutzerdaten in der Kritik. Andere Suchmaschinen, die sich neben dem Konzern aus Seattle etabliert haben, bieten hier Alternativen, weil sie technisch andere Lösungen nutzen. Zu den bekanntesten gehört StartPage, das zwar seine Daten von Google bezieht, aber Suchanfragen anonymisiert an Google weiterleitet. Auch DuckDuckGo, die französische Suchmaschine Qwant, MetaGer und eTools gehen mit der Privatsphäre ihrer Nutzer anders um. Sie speichern weder Suchverläufe noch IP-Adressen oder persönliche Daten ihrer Anwender.

Der Schweizer Anbieter eTools ist eigentlich eine Metasuchmaschine, die 16 andere Suchmaschinen anzapft, auch Google und Bing. Allerdings lässt eTools Tracking-Cookies von Drittanbietern zu. Dem können Nutzer allerdings entgehen, indem sie das Anzeigen von Werbung blockieren. MetaGer funktioniert genauso, fragt aber Google nicht ab.

Dass es schwierig sein wird, Google mit den Argumenten Datenschutz und Privatsphäre die derzeitige Marktführerschaft streitig zu machen, hat zuletzt das Beispiel Facebook gezeigt. Die Social-Plattform ließ der Skandal um Cambridge Analytica praktisch kalt, und die Nutzerzahlen sind weiter auf Wachstumskurs.

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By | 2018-12-03T12:59:24+00:00 03.12.2018|Categories: Google|Tags: , |0 Kommentare

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Friedrich List
Friedrich List ist Journalist und Buchautor. Seit Anfang des Jahrhunderts schreibt er über Themen aus Computerwelt und IT, aber auch aus Forschung, Fliegerei und Raumfahrt. Für ihn ist SEO genauso interessant wie Alexander Gersts nächster Flug zur Internationalen Raumstation. Als Hamburger erzählt er auch gerne Geschichten aus seiner Heimatstadt.

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