Mit Suchanfragen Bäume pflanzen: Das verspricht die Öko-Suchmaschine Ecosia. Das 2009 ins Leben gerufene Projekt verknüpft die Suche im Internet mit dem Thema Wiederaufforstung. Was steckt hinter dem Modell und welche Auswirkungen auf Suchmaschinenoptimierung und -werbung ergeben sich?

Was ist Ecosia?

Ecosia ist keine vollwertige Suchmaschine, sondern ein Frontend für Bing. Die Suchmaske übermittelt die Suchanfragen an Bing und der Microsoft-Suchdienst stellt die Ergebnisse zur Verfügung. Auch die Werbeanzeigen stammen von Microsoft Advertising. Unter der Oberfläche arbeitet also primär der Microsoft-Suchalgorithmus.

Was die Nutzungszahlen angeht, rangiert die auf Mission Klimaschutz getrimmte Suchmaschinen-Alternative noch unter dem Wahrnehmungsradar. Google ist nach wie vor der Monopolist für die Informationsbeschaffung. Der Suchgigant konnte im Januar 2022 gut 80 Prozent aller Suchanfragen verbuchen. Bing rangiert mit einem Marktanteil von rund 10 Prozent im gleichen Zeitraum auf Platz zwei. Ecosia ist dagegen bislang kaum relevant. Das könnte sich durch den sozial-ökologischen Wandel ändern: Immer mehr Menschen fordern Umwelt- und Klimaschutz ein. Und auch die Wirtschaft bekennt sich zunehmend zu Klimazielen und Nachhaltigkeit.

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So funktioniert die Suche mit Ecosia

Ecosia macht es Nutzern leicht, bei der Internetsuche die grüne Wahl zu treffen: Statt eine andere Suchmaschine wie Google anzusteuern, öffnen Sie die Seite www.ecosia.org und tippen den oder die Suchbegriffe ein. Der prominent angezeigte Zähler auf der Seite verrät, wie viele gepflanzte Bäume auf der ganzen Welt das Projekt bislang möglich gemacht hat. Etwas für die Nachhaltigkeit zu tun und die persönliche Ökobilanz zu verbessern vermittelt ein gutes Gefühl. Erweiterungen für Chrome, Edge und Firefox verankern die nachhaltige Suchmaschine im Browser. Für die mobile Suche gibt’s eine Ecosia-App für Android und iOS. Die Apps und das Add-On für Browser sind kostenfrei.

Das Geschäftsmodell

Alleinstellungsmerkmal der grünen Suchmaschine ist das gemeinnützige Businessmodell. Die von der Berliner Ecosia GmbH betriebene Suchmaschine spendet knapp 80 Prozent des Einnahmeüberschusses an Naturschutzorganisationen. Sie sollen mit dem Geld rund um den Globus neue Bäume pflanzen. Die Gewinne stammen aus den Werbeeinnahmen bezahlter Anzeigen in den Suchergebnissen. Auch Klicks auf Partner-Shops, Reise-Links und in den Browser-Erweiterungen erzeugen Umsatz.

Was sich wie Greenwashing für Bing anhört, ist ein transparentes Nachhaltigkeitsmodell. Insgesamt rund 150 Millionen Bäume unter anderem in Burkina Faso sind nach eigenem Bekunden bislang zusammengekommen. Ende 2021 schüttete das von Christian Kroll gegründete Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 2 Millionen Euro monatlich für gute Zwecke aus. Aktuelle Zahlen zu den Ausgaben und Einnahmen gibt es in den monatlichen Finanzberichten. Nächstes großes Ziel des Unternehmens ist es, dabei zu unterstützen, eine Milliarde Bäume in der Sahelzone zu pflanzen.

Über Baumpflanz-Projekte hinaus sind auch andere Klimaschutzmaßnahmen den Machern ein Anliegen. Eigene Server werden mit selbst erzeugtem Ökostrom, also erneuerbaren Energien, betrieben. Für die um ein Vielfaches größere Bing-Infrastruktur gilt das freilich nicht.

Vorteile von Ecosia

  • Steht Nachhaltigkeit im Vordergrund, ist Ecosia die beste Google-Alternative.

  • Jede Suche fördert gemeinnützige Zwecke, ohne direkt Geld aufzuwenden.

  • Die Trefferqualität ist hoch.

  • Personalisierte Suchergebnisse lassen sich ein- und ausschalten.

  • Anerkannte Öko-Anbieter werden hervorgehoben.

  • Ecosia speichert bei deaktivierter Personalisierung keine Nutzerprofile und keine IP-Adressen.

  • Das Geschäftsmodell ist transparent.

  • Verzögerungen durch das Um- und Weiterleiten lassen sich nicht wahrnehmen.

Nachteile von Ecosia

  • Ecosia ist eine bloße Suchmaske für Bing, keine eigene Suchmaschine.

  • Abseits von Umwelt- und Klimaschutz gibt es kaum Vorteile gegenüber Bing.

  • Fixierung auf Bing, es gibt keine anbieterübergreifende Metasuche wie in DuckDuckGo und MetaGer.

  • Bing kann die Suchanfragen speichern.

  • Öko-Kennzeichnung ist nur für wenige Anbieter verfügbar.

Was ist der Unterschied zu Bing?

Durch den identischen technischen Unterbau sind die Suchfunktionen und die Ergebnislisten generell ähnlich. Identisch sind die Suchresultate aber nicht. Beispiel: Wir haben die Trefferlisten in 15 Stichproben mit Begriffen wie „Duftrosen“, „Chromosomensatz“ oder „Fleischwurst“ verglichen. Sie unterscheiden sich je nach Sucheingaben

  • wenig bei den klassischen Ergebnissen und Haupttreffern,

  • deutlich bei den Shopping-Links,

  • stark bei den Anzeigen,

  • leicht bei zusätzlichen Elementen wie Filtern.

Der Trick mit dem grünen Blatt

Ein kleines, grünes Blattsymbol in den Suchresultaten kennzeichnet besonders ökologische, nachhaltige oder klimafreundliche Treffer. Es soll zum schnellen Klicken motivieren. Suchen Sie zum Beispiel nach „Naturkleidung“, schmückt das grüne Blatt in unserem Test drei der ersten zehn Suchlinks. Dabei handelt es sich vornehmlich um Ökolabels und umweltfreundliche Organisationen mit entsprechenden Auszeichnungen. Da die Einblendung des grünen Blatts nicht im Zusammenhang mit bezahlter Werbung steht, ergeben sich für Unternehmen keine direkten Marketingmöglichkeiten.

Ecosia Beispiel Suchergebnis mit Blattsymbol, Quelle: Ecosia

Beispiel Suchergebnis mit Blattsymbol, Quelle: Ecosia

Was ist mit SEO?

Noch gibt es einen relativ kleinen Kundenkreis. Die meisten Nutzer interessieren sich für Umweltschutz, ökonomische Nachhaltigkeit, nachhaltigeren Konsum und Gemeinschaftswerte. Die hohe Affinität zu ökonomischen und sozialen Themen kann die Zusammenstellung der Suchergebnisse und die Suchmaschinenwerbung beeinflussen.

Treffer, Anzeigen und Shopping-Links, die im Zusammenhang mit Umwelt und Klima stehen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit relevant für Ecosia-Nutzer. Das kann die Öko-Suche für Anbieter mit entsprechenden Produkten oder Dienstleistungen interessant machen. Ihre SEO- und Marketing-Aktivitäten treffen hier auf eine fokussierte und damit vielversprechende Zielgruppe.

Auch Firmen, die im Bereich Corporate Digital Responsibility (CDR) Präsenz zeigen wollen, sollten an ihrer Sichtbarkeit in Ecosia arbeiten. Viele der Aspekte aus der unternehmerischen Digitalverantwortung decken sich mit den Werten, für die die ökologische Suchmaschine steht.

Und weil sie hauptsächlich Microsoft-Algorithmen nutzt, greifen SEO-Maßnahmen für Bing größtenteils automatisch auch für die Öko-Suche. Die Sichtbarkeit Ihres Unternehmens in Bing sollten Sie aber strategisch angehen. Entwickeln Sie am besten mit professioneller Unterstützung ein Konzept zur Verbesserung Ihrer Unternehmenspräsenz.

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Was steckt hinter Ecosia Shopping?

Shopping-Anzeigen und Shopping-Links sind für Suchmaschinen eine wichtige Einnahmequelle. Auch Ecosia mischt beim Einkaufsmarketing mit: Geht aus einem Suchbegriff hervor, dass Shopping-Links passen könnten, wird der Ergebnisbereich „Shopping“ visuell hervorgehoben, um Klicks zu fördern. Daraus können sich Möglichkeiten für grüne Produktkampagnen mit klarer Reichweitensteuerung ergeben.

Darüber hinaus soll eine Kooperation mit der Preisvergleichsplattform Idealo Einnahmequellen im Bereich E-Commerce erschließen. Idealo liefert die Daten für Shopping-Suchergebnisse an, die ein bewussteres Online-Shoppen ermöglichen sollen. Der Nutzer kann für seinen Einkauf einen Filter für nachhaltige Produkte oder gebrauchte Waren setzen. Provisionen aus Klicks und Verkäufen über die Affiliate-Links kommen dann Ecosia und nicht Bing zugute. Für einige beliebte, aber längst nicht alle Produktgruppen zeigt die Suchmaschine Angebote aus dem Idealo-Kosmos an, die von der TU Berlin auf Nachhaltigkeitskriterien gecheckt wurden.

Fazit: Mit gutem Gewissen auf die vorderen Plätze

Suchen im Internet ist Vertrauenssache, und wonach Sie suchen, sagt viel über Ihre Persönlichkeit aus. Nutzer der Suchmaschine Ecosia setzen ein Statement gegen den Klimawandel, für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und möglichst wenig CO2-Emissionen. Wie bei Google oder Bing gehen sie einen Deal ein. Hier lautet er: gemeinnützige Umweltförderung gegen Klicks und Werbeanzeigen. Für Werbetreibende und Online-Händler empfiehlt sich eine durchdachte SEO-Strategie. Sie bringt Sie bei jeder Suchmaschine auf die vorderen Plätze.

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