Log-in-Allianzen – kundenfreundlich und aufschlussreich

//Log-in-Allianzen – kundenfreundlich und aufschlussreich

Login

Es kommt nicht gerade oft vor, dass eine gute Idee im Kampf um Kunden und Marktanteile unternehmensübergreifend zu einer Win-win-Situation führt. Eine dieser Ideen scheinen Log-in-Allianzen zu sein. Das Prinzip: Einmal einloggen, schon steht der Zugang zu allen Unternehmen der Allianz. Für diese wiederum vervielfacht sich das Potenzial, Zielgruppen besser zu erkennen und anzusprechen. Praxis ist das bereits. Und neue Teilnehmer können einsteigen.

Bekanntes Prinzip von Facebook & Co.

Man kennt das Verfahren von zahllosen Websites, bei denen für bestimmte Angebote ein Log-in erforderlich ist. Statt immer von neuem Benutzernamen und Passwort einzugeben – und auch zu speichern –, kann man dazu mit einem Klick den Facebook-, Amazon- oder Google-Account verwenden. Das ist zwar komfortabel, füttert aber ab diesem Moment die jeweilige Datenkrake mit den Informationen über alle folgenden Interaktionen zwischen Kunde und Unternehmen – ob man will oder nicht.

Die Sensibilität der Verbraucher für den Datenschutz kann bei jedem neuen Fall von Cyberkriminalität oder beim nächsten News-Hype über den Umgang mit persönlichen Daten in den USA explodieren. Und das wiederum ist riskant für jene Unternehmen, die diese Log-ins im Programm haben. Doch Alternativen sind in Arbeit.

Log-in mit EU-Stempel

Eine europäische Log-in-Allianz verkündeten im Juli 2017 ProSiebenSat.1, Mediengruppe RTL Deutschland und United Internet mit Zalando als erstem Partner. Die Aufgabe: Ein Log-in-Standard soll entwickelt und zugleich Hilfe bei der Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung sowie der E-Privacy-Verordnung für Internet-Dienste angeboten werden. Gespräche mit weiteren Partnern laufen. „Ziel der Log-in-Allianz ist es, eine einfache und sichere Lösung zu schaffen, die die Einwilligungen zur Nutzung von Internet-Diensten (Opt-ins) datenschutzkonform und transparent organisiert“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die fast gleichzeitig gestartete Konkurrenz heißt Verimi und kommt von Allianz, Daimler, Deutsche Bank und Springer. Hier ist man schon ein Stück weiter und wirbt mit einem knalligen Video um Kunden – sowohl im Businessbereich als auch bei privaten Nutzern.

Vorabregistrierungen sind bereits möglich, und für Unternehmen präsentiert Verimi sein Tool als API-Komponente, die sich laut technischer Beschreibung auch in bereits bestehende Online-Angebote einbinden lässt. Eine dritte Zielgruppe für Verimi sind übrigens Behörden: Ihnen verspricht das Unternehmen „Reduktion von Schnittstellenkomplexität für Bundes-, Landes- und kommunale Behörden sowie deren Systemanbieter […], um Implementierungszeiten zu minimieren und die Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten.“

Mobile Connect vereinfacht Log-in per Handy

Unter dem Stichwort „Mobile Connect“ bieten im selben Zusammenhang die drei Mobilfunkprovider Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica einen Dienst für Mobilgeräte an. Hier soll Kunden die Passworteingabe erspart bleiben, indem eine SMS mit einem Link an das Handy geht. Darüber kann dann der Netzbetreiber verschlüsselt eine Kundenreferenznummer an den Portalbetreiber übermitteln.

Auf die Dauer sollen sich durch dieses System nicht nur Benutzernamen und Passwörter erübrigen, sondern Online-Händler können beispielsweise den Kunden über die Mobilnummer identifizieren und auch seine Adresse und Kontonummer automatisch einsetzen lassen, wenn er dem zustimmt.

Ein europäischer Standard könnte den US-Giganten Paroli bieten

Dass sich die deutsche Wirtschaft nicht auf einen gemeinsamen, übergreifenden Service einigen kann, wird bereits mit Recht kritisiert, etwa von t3n-Redakteur Jochen G. Fuchs. Immerhin kommen voraussichtlich beide Initiativen fast zeitgleich mit dem endgültigen Inkrafttreten der neuen Datenschutz-Grundverordnung auf den Markt. Diese bereitet ja durchaus Probleme für Anbieter, die das Log-in der US-Plattformen Google, Facebook und Amazon nutzen. Daher hätte eine einheitliche deutsche – vielleicht sogar europäische – Log-in-Allianz reale Chancen auf erhebliche Marktanteile. Und die Nutzer hätten tatsächlich ein einziges Log-in-Tool.

Vielleicht entscheidet aber auch einfach Schnelligkeit. Denn während die Log-in-Allianz der Medienunternehmen weder konkrete Angaben zum Launch noch einen gemeinsamen Webauftritt anbietet, hat Verimi deutlich die Nase vorn beim Wettlauf um die Markteinführung – offizielle Sprachregelung: „im Frühjahr“. Zuletzt trat zum Jahresende als zehntes großes Unternehmen Giesecke+Devrient bei, Weltmarktführer bei der Absicherung von Bezahlvorgängen und Identitäten, und als Partner der Bundesdruckerei im internationalen Geschäft, zum Beispiel für ID-Dokumente und Pass-Systeme.

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By | 2018-04-09T11:01:31+00:00 09.04.2018|Categories: Online Marketing|Tags: , , |1 Kommentar

About the Author:

Michael Praschma
Michael Praschma ist Texter, Lektor und Redakteur. Er beherrscht so unterschiedliche Gattungen wie Werbetext, Direct Marketing, Claims, Webtext, Ghostwriting, Manuals oder PR. Außerdem treibt er sich – schreibend und anderweitig engagiert – in Journalistik, Non-profit-Organisationen und Kulturwesen herum. Seine Kunden kommen aus verschiedensten Branchen. Bei Heise RegioConcept schätzt er die Möglichkeit, mit eigenen Recherchen auf den Punkt zu bringen, was Blogbesucher interessiert.

Ein Kommentar

  1. Michael Praschma 17. April 2018 um 09:10 Uhr - Antworten

    Der Start des Login-Portals Verimi wird vom Magazin t3n kritisch kommentiert – hauptsächlich wegen (vorläufiger?) Usability-Wehwehchen und zu wenig Partnern, bei denen für die breite Masse ein Login überhaupt von Interesse ist. Verimi sagt, das bessert sich noch.
    Zum Artikel: https://t3n.de/news/login-dienst-verimi-typisch-1014010/?utm_source=t3n-Newsletter&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=t3n+Deals%3A+Exklusive+Rabatte+f%C3%BCr+t3n-Leser

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