Nico Jurran Blogger-Relations

Blogger-Relations?! – Als Journalist und Blogger hat Nico Jurran stets interessante Tipps und Insiderwissen aus der Blogger-Szene parat. Außerdem arbeitet er als Redakteur beim c‘t Magazin und bei heise online.

Worum geht es bei Blogger-Relations?

Bloggen ist eine Alternative zu klassischem Journalismus geworden und ermöglicht Unternehmen daher, auf diesem Weg ihre Zielgruppe anzusprechen. Früher haben Unternehmen ein Produkt an einen Journalisten geschickt. Der guckte es sich an, schrieb darüber und war somit der Meinungs-Multiplikator. Jetzt haben wir diese Veränderung, dass jeder einen Blog betreiben kann. Blogger sind sogenannte Influencer geworden. Praktisch, als würde Ihr bester Kumpel Ihnen empfehlen, was Sie sich mal anschauen sollen. Firmen müssen sich heutzutage auf diese Entwicklung einstellen. Heute gibt es dafür ganze Abteilungen und Bloggen wird als Marketing-Instrument benutzt.

Mittlerweile gibt es sogar Online-Portale, die Blogger zusammenbringen, die dann darüber beispielsweise Produkte und Dienstleistungen anbieten. Gezeigte Kleidungsstücke werden dann zum Beispiel – nur einen Klick entfernt – zum Kauf angeboten. Dadurch können aber durchaus rechtliche Spannungsfelder entstehen.

Auf diese Spannungsfelder wollen wir im späteren Verlauf noch eingehen. Zunächst aber zu den Kooperationen: Welche Vorteile kann eine solche Zusammenarbeit für das Unternehmen haben?

Es ist relativ schwierig zu sagen, welche Zielgruppen noch von dem klassischen Journalismus erreicht werden. Natürlich gibt es Fachmagazine, wie die c’t, die eine entsprechende Leserschaft erreichen. Bei bestimmten Nischen ist es aber wahnsinnig schwer zu sagen, welches Produkt man welchem Journalisten zum Testen schicken soll.

Da ist es cleverer, ein Produkt einem Blogger zu senden, der die gesuchte Zielgruppe erfasst. Dies ist viel zielgerichteter. Die möglichen Kunden suchen sich heutzutage eher den Influencer.

Was macht denn überhaupt den Reiz des Bloggens aus?

Viele Blogger sind durchaus fasziniert vom klassischen Journalismus – und finden die Idee, sich Geräte anzuschauen, zu erklären und zu bewerten, sehr spannend. Fast jeder Journalist, den ich kenne – und so war das bei mir auch – hat auch deshalb mit dem Beruf angefangen. Man berichtet einfach gerne über die Erfahrungen, die man gemacht hat. Das machen Blogger in ihren Blogs eben auch.

Und natürlich sind Blogger auch häufig Leute, für die das Bloggen ein Hobby ist, neben dem eigentlichen Beruf. Sie haben dann beispielsweise ein starkes Interesse für ein Gebiet. Oder es sind Leute, die diese Art, selbst zu publizieren, selbst journalistisch tätig zu sein, anspricht – ohne ein Volontariat machen zu müssen und auch ohne in dieser Branche direkt tätig sein.

Wieso gibt es rechtliche Reibungspunkte beim Bloggen?

Zumindest große Blogs müssen sich irgendwie finanzieren. Realistisch betrachtet kostet ein Blog einfach Zeit und auch eine gewisse technische Reichweite erfordert entsprechende finanzielle Investitionen. So kommt früher oder später also auch die Frage der Refinanzierung auf – Letztendlich wie auch beim klassischen Journalismus.

Das Problem bei dem Bloggen ist, dass die klassischen Werbebanner-Einblendungen wenig bringen. Daher muss ich anders Werbeeinnahmen generieren. Eine Möglichkeit sind Affiliate Links. Das heißt, ich setze Links auf Shops, bei denen ich dann beteiligt werde, wenn derjenige, der dem Link folgt, dort etwas kauft.

Eine andere Möglichkeit ist leider, sich sozusagen finanzieren zu lassen. Sich also einspannen zu lassen und quasi Schleichwerbung zu betreiben. Und da ist die klassische Schleichwerbung ja auch keine Grauzone mehr, während Affiliate Links dann eher noch an der Grenze liegen.

Wieso bewegen sich die Affiliate Links in einer rechtlichen Grauzone?

Aus juristischer Sicht kann man sagen, wenn man ein Angebot aufsetzt, dass einen kommerziellen Charakter hat, gibt es einfach auch rechtliche Vorgaben. Und bei Affiliate Links vermischen sich nun einmal Inhalte und Geschäft.

Meine persönliche Meinung ist da ganz klar: Jeder hat das Recht Geld zu verdienen, aber man muss sich auch an die Spielregeln halten. Problematisch ist dabei, dass selbst sehr professionelle Blogger manchmal absichtlich amateurhaft rüberkommen. So besteht die Gefahr, dass man diese verdeckte Werbung kaum erkennt – und vielleicht denkt, dass sei einfach ein netter Typ, den man mal unterstützen kann, indem man etwa auf einen Link klickt – ohne zu wissen, dass mittlerweile eine riesige Marketing-Maschinerie dahintersteht.

Wie sehen Sie das – auch als Blogger – wenn Blogger versuchen, diesen rechtlichen Einschränkungen zu entgehen und zum Beispiel Links zu Partnerprogrammen nicht deutlich kennzeichnen?

Das ist schwierig. Ich kann schon nachvollziehen, dass es Blogger gibt, die bei der Kennzeichnung Bauchschmerzen haben. Ich habe mich auf meinem Blog dafür entschieden, klar zu sagen, wenn es sich um Anzeigen handelt. Aber ich gebe auch zu, dass es am Anfang auch bei mir so war, dass ich dachte: „Wenn Du jetzt nochmal drunter schreibst, dass es ein Affiliate Link ist und dass der die Seite mitfinanziert, dann kann das durchaus ein paar Leute abschrecken“.

Vielleicht gibt es dann wirklich Leute, die denken, man bloggt nur wegen der Kohle. Das ist eben dieses Spannungsfeld: Viele Besucher wollen nicht ganz wahrhaben, dass ein Blog Geld kostet.

Wie bewerten Sie das werbende Schreiben aus Blogger-Sicht?

Das ist wirklich schwierig. Wir reden hier über Leute, die mittlerweile auch sehr von den Firmen angesprochen werden, im Sinne von „Wenn Sie für uns schreiben, dann laden wir Sie zu etwas ein“. Und da gibt es tatsächlich Blogger, die dem ganz schnell verfallen. Generell gibt es zudem natürlich immer die Versuchung, aus Sympathie weniger zu kritisieren als man es sonst eigentlich tun würde.

Auf der anderen Seite ist es für Blogger schwieriger, kritisch zu schreiben. Als klassischer Journalist hat man da im Zweifel den Verlag samt Rechtsabteilung hinter sich. Im Vergleich ist man als Blogger natürlich viel schneller eingeschüchtert, wenn eine Firma Drohungen ausstößt.

Abschließend: Bloggen kann und sollte ein adäquates Mittel sein, wenn man es eben mit Leidenschaft macht und sich an die Regeln hält?!

Ja, ich finde Bloggen super. Es ist ein sehr gutes Konzept und wirklich eine gute Alternative zum klassischen Journalismus. Man muss nur eben bestimmte Regeln beachten.

Dann halten wir fest: Alles sollte in einem „gewissenhaften Rahmen“ bleiben und dann ist das Bloggen durchaus eine schöne Option. Herzlichen Dank für das Interview, Herr Jurran!

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