Marketing-Mix: Wie viele Ps dürfen es denn sein?

//Marketing-Mix: Wie viele Ps dürfen es denn sein?

Wie viele Ps

Eselsbrücken haben viel für sich. Wenn man sich ohnehin tausend Sachen merken muss, ist man dankbar dafür. Eine eigene Klasse von Eselsbrücken bilden sogenannte Alliterationen, also Wortreihen mit demselben Anfangsbuchstaben. Im Marketing-Mix (übrigens selbst eine Alliteration) gibt es seit gefühlt ewigen Zeiten die „4 P“, auf die es so sehr ankommt: Product, Price, Place und Promotion. Angeblich haben die nun ausgedient. Die Marketingzukunft gehört Platform, Passion, Purpose und Play. Ist da etwas dran, oder wird wieder nur eine neue Sau durchs Dorf getrieben?

Wie Marken in digitalisierten Märkten bemerkt werden

Tim Leberecht hat durchaus schwer Ahnung von Marketing. Seine Gedanken zur Zukunft des erfolgreichen Business-Making sind stets beachtenswert. Er ist einer von denen, die mit plausiblen Argumenten darauf hinweisen, wie das Marketing sich auf die rasanten Veränderungen technischer, medialer und gesellschaftlicher Bedingungen einstellen muss. Daher sein wohlmeinender Rat, „den Vierklang der 4 P für die Zukunft neu zu stimmen“. Dazu sollte man wissen, dass Leberecht ein bekennender Business-Romantiker ist. Er führt gute Gründe dafür ins Feld, dass menschliche Faktoren wie Humanität, Werte, Lebenssinn etc. ebenfalls mächtige Aspekte für das Marketing sind. Daher spielen diese Faktoren in seinen 4 Ps eine gewichtige Rolle:

  • Platform: Ein 24/7-Nutzen von Produkten und Dienstleistungen ist nur über digitale Plattformen möglich, die eine hochgradig individualisierte Verfügbarkeit gewährleisten, das Ganze dann dynamisch an momentane Bedarfe angepasst; dies betrifft alle Angebotsaspekte, von Preis über Support bis zu Predictive Maintenance.

  • Passion: Leidenschaft bedeutet für Leberecht nicht nur, für eine Marke, ein Produkt oder ein Unternehmen zu brennen, sondern auch, Kunden ein bisschen Blut, Schweiß und Tränen zuzumuten, bis ihre Wünsche in Erfüllung gehen.

  • Purpose: Hier kommt eine authentische, wirkungsvolle, emotional aufgeladene und perfekt inszenierte Markenstory (wie etwa in diesem Spot von Harley-Davidson) ins Spiel – aber darüber hinaus auch ein von Überzeugungen getragenes nachhaltiges und glaubhaftes Engagement für einen Zweck, eine definierte Vision, die für die Zielgruppe und ihre Erwartungen, Haltungen, Wünsche usw. attraktiv ist.

  • Play: Spielintelligenz hilft Unternehmen, die erforderliche Agilität zu entwickeln, um nicht nur auf Marktveränderungen rasch zu reagieren, sondern auch proaktiv Produkte zu entwickeln, eine smarte Fehlerkultur zu pflegen und dabei nebenbei auch bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Kann man dagegen etwas sagen? Selbstverständlich nicht. Diese Aspekte sind weitestgehend unumstritten, und das nicht nur im Marketing, sie sind auch in Bereichen wie Human Resources, Kundenkommunikation usw. wertvoll (beispielsweise beim Story-Marketing). Aber bilden nun diese 4 Ps tatsächlich ein fünftes P: den Paradigmenwechsel?

Die kluge Mischung macht’s

Leberecht betreibt natürlich auch für seine eigenen Thesen Marketing. „Die 4 neuen Ps“ ist selbst Marketing. Was er damit aber garantiert nicht meint, ist eine Marketingrevolution in dem Sinn, dass Sie sich ab morgen über Produkt, Preis, Platzierung und Promotion keine Gedanken mehr zu machen bräuchten – wie ohnehin jede starre Dogmatik im Marketing kontraproduktiv wäre. Marketing-Mix heißt ja genau deswegen so, weil die Mischung angepasst sein muss. Was bedeutet das?

Die alten und die neuen 4 Ps überschneiden und vermischen sich in Wirklichkeit sowieso. In einer guten Markenstory zum Beispiel spielt selbstverständlich das Produkt eine Rolle, es hat aber auch eine (hoffentlich interessante) Geschichte, die zum Purpose, zur Markenidentität dazugehört und diese illustriert. Und damit diese Markenstory überhaupt wirkt, muss sie natürlich promotet werden. Wie herzlich gleichgültig die Anzahl der Ps ist, merken Sie, wenn Sie spaßeshalber einmal „Marketing Mix 7P“ googeln. Oder dasselbe mit einer beliebigen anderen Zahl bis 10. Und übrigens sind die Begriffe jeweils durchaus nicht immer dieselben.

Die klassischen 4Ps sind immer noch der King

Die ursprünglichen 4 Ps haben fast 60 Jahre auf dem Buckel. Jerome McCarthy, der sie ins Marketing einführte, ist tot, aber einer seiner Zeitgenossen und ebenfalls Koryphäe für das Thema Marketing-Mix lebt noch. In einem Interview bestreitet Philip Kotler lebhaft, dass die klassischen 4 Ps tot sind. Er zieht eine Linie von der Veröffentlichung seines Standardwerks „Marketing Management“ im Jahr 1967 (fast) bis heute und sagt, dass es immer Anpassungen der Marketingstrategien an die Umfeldbedingungen gegeben hat. Und dass selbstverständlich Dinge wie Social Media das Repertoire bereichern. Aber Marketing spiele sich immer in einem weiten Rahmen ab, in den die (klassischen) 4 Ps integriert werden müssen. „The 4 Ps model of marketing is still king“ – auch wenn andere Autoren neue Ps hinzugefügt haben; oder auch 4 „As“ (Availability, Affordability, Acceptability, Awareness). „All of this is welcome …“

Fazit: 4P, 8P, 10A ..? Gestalten Sie Ihren Marketing-Mix nach Ihren eigenen Regeln!

Ohne Tim Leberecht zu nahe treten zu wollen: Seine neuen 4 Ps sind missverständlich, jedenfalls als Schlagzeile, die ja zunächst suggeriert: Hey Leute, macht jetzt alles ganz anders! Nein, die alte Eselsbrücke taugt noch; zugleich können Sie sie verbreitern, verlängern und andere Brücken dazubauen, ob mit 8 Ps, mit 10 As oder womöglich auch ganz anders.

Marketing-Mix geht wie Social-Media-Mix, Anzeigen-Mix und viele andere Maßnahmenbündel: Sie brauchen ein paar wirklich nachhaltige Elemente (etwa Markenidentität), ein paar, um den Anschluss nicht zu verpassen (vielleicht immer noch: Facebook) und welche zum Herumprobieren (Pokemon Go war so etwas). Sie sollten potenziell so viel wie möglich im Werkzeugkasten haben, aber welche Tools Sie jetzt gerade verwenden, dafür gibt es nie die eine Regel „Diese vier!“ – sondern nur Ihr flexibel und wachsam zusammengestelltes individuelles Set.

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By | 2018-10-09T14:47:38+00:00 09.10.2018|Categories: Online Marketing|Tags: , , |0 Kommentare

About the Author:

Michael Praschma
Michael Praschma ist Texter, Lektor und Redakteur. Er beherrscht so unterschiedliche Gattungen wie Werbetext, Direct Marketing, Claims, Webtext, Ghostwriting, Manuals oder PR. Außerdem treibt er sich – schreibend und anderweitig engagiert – in Journalistik, Non-profit-Organisationen und Kulturwesen herum. Seine Kunden kommen aus verschiedensten Branchen. Bei Heise RegioConcept schätzt er die Möglichkeit, mit eigenen Recherchen auf den Punkt zu bringen, was Blogbesucher interessiert.

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