Fotoshopping

Wir alle kennen das: Man bummelt durch die Geschäfte, sieht etwas Interessantes, kann oder will aber nicht hier und jetzt kaufen. Also zückt man das Smartphone und macht ein paar Fotos für später, vielleicht, um zu Hause nachzuschauen, ob das Produkt im Internet preiswerter verfügbar ist. Aber schon heute ist es möglich, mithilfe von Handy-Fotos unterwegs mehr Informationen über das Produkt und seine Verfügbarkeit zu erhalten.

Fotoshopping (nicht zu verwechseln mit photoshoppen) wird immer beliebter. Wer die entsprechenden Apps auf seinem Smartphone installiert hat, kann sofort im Netz nachsehen, wo er das entsprechende Shampoo, Kleidungsstück, die Tasche oder das lang gesuchte Paar Schuhe kaufen kann, wie viel es kostet und wie weit er vom nächsten Geschäft entfernt ist. Und bezahlt wird dann auch gleich über das Smartphone.

Fotos punkten bei lokalen Suchanfragen

Wie verbreitet diese Art des Einkaufens bereits ist, zeigt eine repräsentative Umfrage des Location-Marketing-Anbieters uberall von Anfang 2019. Sie ergab, dass 62 Prozent der Befragten ihr Smartphone nutzen, um nach Ladenöffnungszeiten oder Kundenbewertungen zu suchen. Spitzenreiter sind die 18- bis 24-Jährigen, von denen 83 Prozent auf ihr Smartphone zurückgreifen, um sich während des Einkaufsbummels genauer zu informieren.

Außerdem setzten 72 Prozent der Studienteilnehmer die Umgebungssuche ein. Auch interessant ist der Umgang der Teilnehmer mit den ausgespielten Suchergebnissen. Die meisten von ihnen (83 Prozent) meinten, sie orientierten sich an den ersten drei Suchergebnissen. „Lokale SEO-Maßnahmen sind für Dienstleister und Unternehmen heutzutage wichtiger denn je“, sagt Florian Hübner, Co-CEO und Mitgründer von uberall. „Um sich am Markt behaupten zu können, ist es für Unternehmen essenziell, unter den Top 3 der Suchmaschinenergebnisse aufzutauchen. Noch relevanter wird das angesichts der steigenden Nutzung von Voice-Assistants, die uns eine reduzierte Anzahl von Suchresultaten vorlesen werden. Ganz oben mitspielen kann dann nur derjenige, der seine eigene Online-Präsenz aktiv managt.”

Fotoshopping für den stationären Handel

Der stationäre Handel muss also potenziellen Kunden auch online stets aktuelle Informationen zur Verfügung stellen. „Die Studie zeigt deutlich, wie wichtig es für Unternehmen geworden ist, relevante Informationen einer Filiale im Internet über alle Apps, Verzeichnisse, Plattformen und Suchmaschinen hinweg aktuell zu halten”, so Hübner weiter. „Unternehmen, die das nicht berücksichtigen, nehmen in Kauf, dass ihnen Kunden verloren gehen, nur weil beispielsweise falsche Öffnungszeiten online gefunden wurden. Außerdem hat das konsistente Bereitstellen aller wichtigen Informationen über ein Geschäft oder eine Dienstleistung auch einen großen Einfluss auf die Position im Suchmaschinen-Ranking.”

Allerdings braucht kein Unternehmen mehr selbst eine Bilderkennungs-KI zu entwickeln. Die Technik wird mittlerweile als Software as a Service (SaaS) angeboten. Sensei von Adobe und IBM Watson gehören hier zu den Anbietern. Hinzu kommt beispielsweise Yolo, ein Echtzeit-Erfassungssystem zur Objektsuche. Auch die nötigen Speichertechnologien wie Faster RCNN oder SSD sind am Markt verfügbar.

Fotoshopping über Apps

Erstmals vorgestellt wurde Fotoshopping 2018 auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Der Smartphone-Hersteller LG zeigte sein LG V305ThinQ, in das QLens integriert war. Die QLens basierte auf Googles Bilderkennungs-KI Google Lens, die gleiche Bilder identifiziert und anzeigt. Über die Bildersuche bekommt der User passende Bilder von Lebensmitteln, Möbeln oder Mode angezeigt. Wenn ein Artikel ausverkauft ist oder zu einer alten Kollektion gehört, sucht die KI nach Alternativen. Die Lens war eigentlich nur in dem LG-Smartphone sowie in den Google Smartphones Pixel 1 und 2 installiert. Inzwischen kann jeder sein Gerät zum Fotoshopping umrüsten. Die Foto-App Google Lens für Android und iOS macht es möglich.

In Deutschland ist die Entwicklung erst am Anfang. Unternehmen wie Otto, Amazon und H&M boten als erste eine bildgestützte Produktsuche an. Aber auch Snapchat ist schon dabei und hat eine Kooperation mit Amazon abgeschlossen. Wer Snapchat zum Fotoshopping nutzen will, hält einfach seine Snapchat-Kamera auf das gewünschte Produkt oder dessen Barcode und löst dann die Bildsuche aus. Werden Produkt oder Barcode gefunden, erscheint auf dem Bildschirm ein Fenster mit dem entsprechenden Angebot von Amazon. Tippt der User darauf, gelangt er auf die Amazon-App oder direkt zu Amazon und kann dort kaufen.

Auch bei H&M braucht der Nutzer nur auf das Produkt zu klicken, um auf die entsprechende Seite zu gelangen. Otto hat zusammen mit der Hamburger Firma Alike eine App für die Bildersuche nach Möbeln und Deko entwickelt. Auch bei dieser App beginnt die Suche mit dem Foto des gewünschten Produkts. Die Suchergebnisse werden dann aufgelistet. Wer ein Produkt anklickt, dem zeigt die App weitere Produktdetails und die Verfügbarkeit. Ein weiterer Klick bringt den Nutzer zum Webshop.

Die eigene App von Amazon erkennt ein breites Spektrum an Produkten. Sie findet Deko und Möbel genauso gut wie Schuhe oder Kleidung. Über das kameragestützte Feature AR-View kann man sich Möbel in der eigenen Wohnung darstellen lassen. Wenn man bei bestimmten Produkten auf „in der eigenen Wohnung anzeigen“ klickt, aktiviert man die Funktion. Die Anzeige der Suchergebnisse ist jedoch ein bisschen unübersichtlich, aber dafür kann man den Kauf des Wunschprodukts zügig abschließen.

Die Google-Bildersuche integriert Fotoshopping

Auch direkt bei Google kann man mit Google Lens auf Fotoshopping-Tour gehen. Der Nutzer fotografiert sein Wunschprodukt und lässt Google danach im Web suchen. Wegen des großen Datenbestandes bekommt man eher noch mehr Suchergebnisse als bei Amazon. Beim Kauf braucht es aber einen Klick mehr. Der Nutzer muss nämlich von den Suchergebnissen zunächst in den Webshop navigieren und kommt erst danach auf die Produktseite.

Allerdings hat der Suchmaschinenriese seine Bildersuche auch für andere Endgeräte entsprechend weiterentwickelt. Seit Mitte 2019 bietet Google in der Bildersuche neue Features an. Der Bildertab kann noch mehr Informationen anzeigen. Beim Anklicken von Bildern öffnet sich auf der rechten Seite ein Panel mit Informationen wie Marke, Verfügbarkeit und Kundenbewertungen. Von dort kann der Nutzer gleich weiter zum Anbieter klicken. Wer zum Beispiel Bilder von Oberhemden sucht, kann über die Bildersuche sein Wunschhemd ausfindig machen und dann über das Bild zu einem Online-Händler gelangen, der genau das gewünschte Kleidungsstück anbietet. Das wäre dann sogenanntes Foto-Shopping, bei dem Webnutzer und Webstores über die Bildersuche online in Kontakt kommen.

Die neuen Funktionen stehen zunächst nur Desktop-Nutzern zur Verfügung. Laut Google nützen sie nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Kunden. Deren Nutzererfahrung verbessert sich durch die Sidepanels und könnte auch dazu führen, dass sie auf der Einkaufsseite bleiben und nach weiteren interessanten Artikeln stöbern.

Mobiles Fotoshopping über Googles Preisvergleichsportal

Inzwischen stellt Google auch für mobile Nutzer ähnliche Funktionalitäten bereit. Wer das Preisvergleichsportal Google Shopping nutzt, kann bei Schuhen, Kleidung und anderen Modeartikeln auch nach Styles suchen. Dann erscheinen die Artikel verschiedener Shops direkt in den Suchergebnissen. Allerdings werden Produktvergleich und die Suche nach dem richtigen Exemplar stärker in die Suchergebnisseiten verlagert und könnten daher negative Auswirkungen auf den Traffic und die Verweildauer auf den Seiten des Online-Händlers haben.

Kleider, Schuhe und Accessoires erscheinen entsprechend der Suchanfrage bei verschiedenen Shops so, dass die unterschiedlichen Angebote als Wahlmöglichkeit erscheinen. Die Google-Suche bietet nun die Möglichkeit, frühzeitig eine breite Palette von Webshops und Angeboten anzusehen und zudem Online-Bewertungen zu lesen.

Sucht jemand beispielsweise nach Laufschuhen, sucht Google die entsprechenden Produkte zusammen. Die Suchergebnisse kann der Nutzer nach Preis, Stil, Größe oder anderen Kriterien filtern. Google stellt sich den weiteren Suchverlauf so vor, dass der Webnutzer erst auf eine Händlerseite wechselt, wenn er das für ihn passende Produkt gefunden hat.

Fazit: Fotoshopping ist die nächste Generation des Online-Handels

Google indexiert Produkte aus über einer Million Webshops. Geschäfte, deren Webpräsenz neu ist, werden kostenlos in den Index aufgenommen. In seinem Merchant Help Center stellt der Suchmaschinenriese Informationen darüber bereit, welche Produkte in den Index aufgenommen werden. Auf jeden Fall ist es jedoch notwendig, strukturierte Daten für die Mark-ups der Produkte zu verwenden, damit die Produkte in den Rich Product Results angezeigt werden. Google will dieses Feature auf weitere Suchanfragen, Endgeräte und Produkte erweitern.

Fotoshopping stellt also die nächste Entwicklungsstufe des Einkaufens online und auch von mobilen Endgeräten aus dar. Das mit der Handykamera geschossene Foto wird mit als Basis für die Bilder- und Produktsuche genutzt. Google oder eine App durchsuchen Datenbanken nach genau diesem Produkt und spielen es dem Nutzer aus. Damit dies in größerem Umfang möglich ist, sind riesige digitale Datensammlungen nötig, in denen idealerweise jedes auf dem Markt befindliche Produkt gespeichert ist. Außerdem müssen dort Informationen über das Produkt selbst, Preise und Verfügbarkeit im Handel hinterlegt sein. Ohne Fotos geht im Online-Handel wohl bald kaum noch etwas.

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