Desktop PC

Ohne Smartphone läuft heutzutage nichts und niemand mehr. Mehrere deutsche Städte haben sogar bereits Bompeln für Smombies (Bodenampeln für Smartphone-Zombies) an Kreuzungen installiert. Kein Wunder also, dass auch viele Online-Werbende auf die Idee kamen, ihre Marketingmaßnahmen auf das Mobilgerät zu fokussieren und den Desktop-PC für tot zu erklären.

Mobiloptimierung ist Pflicht

Zunächst hieß es Mobile First: Bei der Konzeption und Entwicklung einer Website genoss die Mobilversion höchste Priorität. Befeuert wurde das nicht zuletzt durch Googles Ankündigung, künftig die Mobil- statt der Desktopversion zu crawlen. Dann kam Mobile Only. „Desktop wird zum Dino“, postulierte beispielsweise Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein, in einem unterhaltsamen Interview mit best-of-commerce.de. Wer erfolgreich sein wolle, solle einen Mobile-Shop bauen und ihn um eine App ergänzen. Die meisten lokalen Händler müssten dazu aber zuerst einmal „ihre digitale Allergie desensibilisieren“.

Mobile Only ganz ohne Desktop-PC?

Allein, kein Desktop ist auch keine Lösung. Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass Website-Betreiber und Online-Werbetreibende – im Gegensatz zu besagten Smombies – nicht nur auf das Handy schauen sollten. Ein Argument kommt von Adobe: In einer Mobile-Marketing-Studie fand das Softwareunternehmen heraus, dass Mobile Only in Deutschland nicht angesagt ist. Zwar wollten die meisten der mehr als 1000 befragten Konsumenten hierzulande nicht mehr auf ihr Smartphone verzichten. Auf der Arbeit oder in der Schule beispielsweise steht aber nach wie vor der Desktop an der Spitze. Auch zu Hause nutzen 48 Prozent einen PC und lediglich 32 Prozent das Smartphone.

Die Deutschen sind zudem besonders treu: Von allen Nationen, die an der Studie teilgenommen haben, wechselten sie während einer Aktivität am wenigsten zwischen den Geräten hin und her. Bei der mobilen Werbung werden die Ergebnisse noch interessanter: Mehr als drei Viertel der deutschen Nutzer gaben an, für sie irrelevante Angebote und Informationen ausgespielt zu bekommen. Werbung via Push-Nachrichten war für ein Drittel ein klares No-Go.

Noch kein Aus für den Desktop-PC

Einem Beitrag von Tina Bauer auf onlinemarketing.de zufolge zeigen die Ergebnisse der Adobe-Umfrage, dass es noch Jahre braucht, bis eine vollumfassende Mobile-Only-Strategie sinnvoll implementiert werden kann. Werbetreibende sollten ihren deutschen Kunden und derem Nutzungsverhalten daher entgegenkommen und eine kanalübergreifende Strategie wählen, anstatt nur auf das Smartphone zu setzen.

Auch Online-Marketing-Spezialist Jeff Hasen bezeichnet Mobile Only als „schlechte Idee“. Er bezieht sich unter anderem auf eine amerikanische Studie, nach der die durchschnittliche tägliche Zeit der Smartphone-Nutzung zwar zugenommen hat. Die Quote bei Desktop und Laptop nahm aber nicht gleichzeitig ab, sondern blieb relativ konstant. Die Probanden verbrachten also insgesamt zunehmend mehr Zeit im Netz. Statt sich auf ein Gerät allein zu konzentrieren, rät er, zunächst einmal die eigene Zielgruppe besser kennenzulernen. Zu den Fragen, die sich Online-Händler stellen sollten, zählen unter anderem: Welche Kunden haben bisher was auf welchem Gerät gekauft? Zu welcher Uhrzeit bevorzugen sie welches Medium? Welche Produkte oder Dienstleistungen werden per se vor allem auf dem Smartphone, welche am Schreibtisch bestellt?

Fittkau & Maaß hält Mobile Only nur in den Fällen für sinnvoll, in denen der gesamte Entscheidungsprozess und Kaufvorgang via Smartphone abgewickelt wird. Als Beispiel nennen die Berater den Online-Kauf von ÖPNV-Fahrkarten. Für die Mehrheit der Produkte und Dienstleistungen sollte jedoch eine Customer First-Strategie bevorzugt werden: „Denn nur wenige Kunden setzen nur ein einziges Device für ihre Online-Nutzung ein.“ Vielmehr wählten sie diese je nach Anlass und Situation individuell aus. In eine ähnliche Kerbe schlägt der App-Testing-Dienstleister Appmatics – und betont, dass dabei auch „neuartige Touchpoints“ wie Smart TVs, Smartwatches, AR-Brillen, Chatbots oder Sprachassistenten im Blick behalten werden sollten.

Fazit: Fahren Sie mehrgleisig, aber fahren Sie nie beliebig!

Im Leben ist es oft so: Entscheidet man sich für eine Sache, entscheidet man sich automatisch gegen eine andere. Im Online-Geschäft alles auf eine Karte zu setzen, ist jedoch nicht ratsam – es sei denn, der Desktop-PC landet irgendwann einmal tatsächlich im Museum. Bis dahin wird es aber allen Unkenrufen zum Trotz noch eine Weile dauern. Werbetreibende sollten sich daher nicht an ein Gerät klammern, sondern vielmehr entscheiden und von Zeit zu Zeit überprüfen, welche Strategie sie fahren wollen. Die grundsätzliche Richtung gibt der Kunde und das eigene Geschäftsfeld vor.

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