Erfolgreich Bloggen – Interview mit c’t Redakteur Daniel Berger

//Erfolgreich Bloggen – Interview mit c’t Redakteur Daniel Berger

Daniel Berger Heise

Erfolgreich bloggen: Daniel Berger gibt Tipps zum Bloggen und zu Texten im Web. Er ist Redakteur beim c’t Magazin und bei heise online. Dort befasst er sich mit Social Media, Blogs und Webentwicklung.

Herr Berger, warum würden Sie Unternehmen empfehlen, einen Blog zu starten?

Mit Blogs lassen sich auf recht unkomplizierte Art viele Nutzer erreichen, denen man einen Einblick ins Unternehmen gewähren kann. Auch über interessante Produkte lässt sich in einem Blog mit Texten, Bildern und Videos anschaulich berichten. Dabei sind gute Inhalte wichtig, die den Lesern einen Mehrwert bieten. Außerdem verhelfen die richtig gewählte Plattform und ein paar gezielte Optimierungsmaßnahmen zu treuen Besuchern.

Für die Neulinge: Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, die ganz frisch mit dem Bloggen anfangen?

Dank kostenloser Dienste wie WordPress.com, Tumblr und Medium ist ein Blog in wenigen Minuten angelegt. Nach dem Schnellstart ist allerdings Ausdauer gefragt: Denn nur, wer regelmäßig gute Einträge veröffentlicht, lockt langfristig Besucher an. Sind die zufrieden, hinterlassen sie Lob und kommen gern wieder. Dann macht das Bloggen richtig Spaß – und das muss es auch: Schließlich bringt es nichts, wenn jeder Post eine Qual ist und sich die Sätze nur quälend langsam formen. Lust aufs Schreiben und eine anhaltende Motivation sind von großer Bedeutung, wenn das Blog langfristig erfolgreich laufen soll.

Besteht die Motivation fürs Bloggen einzig darin, ein bisschen Geld zu verdienen, kommt schnell Langeweile auf. Schreiben Sie lieber über ein Thema, mit dem Sie sich gern beschäftigen. Dass Sie mit Leidenschaft dabei sind, merken auch die Leser.

Wie geht es dann weiter?

Ist das Blog aufgesetzt und eingerichtet, sollte man einfach loslegen! Schreiben Sie regelmäßig und so viel wie möglich, damit die Besucher wissen, dass sich ein weiterer Besuch lohnt. Hören Sie auf die Wünsche der Leser und antworten Sie unbedingt auf Kommentare.

Ein zweiter Tipp für angehende Erfolgsblogger lautet: „Sei authentisch und ehrlich.“ Verleihen Sie Ihrem Blog also eine persönliche Note, denn die Leser wollen die Person hinter den Wörtern kennenlernen. Genau das macht den Reiz von Blogs aus: dass hier jemand seine ganz eigenen Ansichten verbreitet. Hilfreich ist eine „Über mich“-Seite, auf der Sie sich und Ihr Blog vorstellen.

Wie findet man ein geeignetes Thema für einen Unternehmensblog?

Ein Blog, das sich einem einzigen Spezialthema widmet, hat es leichter, sein Publikum zu finden. Schließlich wissen die Besucher, was sie erwarten können: Ein Fachblog bedient gezielt Interessen und Sie können mit Ihrer Expertise glänzen. Ganz egal, wie abseitig Ihr Thema dann auch sein mag, es wird nach einer Weile sein Publikum finden.

Nun denkt sich der Malermeister vielleicht: Sind meine Inhalte überhaupt spannend genug für die Leser?

Sie müssen kein Extrembergsteiger oder Dschungelkönig sein, um spannende Storys zu bloggen. Auch die Banalität des (Berufs)alltags hat ihren Reiz und fasziniert andere: Was für einen Leichenbestatter tägliche Routine ist, kann für andere eine aufregende und informative Lektüre abgeben. Ein Maler könnte etwa verraten, wie man seine langweilige Raufasertapete streifenfrei streicht. Das darf auch gern ein kleines Erklärvideo sein, das man im Blog einbindet.

Sie als Redakteur – welche Schreibtipps für Blogger haben Sie auf Lager?

Egal, in welcher Rolle Sie bloggen: Die Herausforderung besteht darin, Ihre eigene Stimme zu finden und nicht gekünstelt zu formulieren. Nicht für jeden Blogger ist das so einfach. Eine Hilfe kann das freie Schreiben („Freewriting“) sein: Sie tippen für fünf Minuten ohne Unterbrechung, was Ihnen durch den Kopf geht – ohne zu editieren, ohne zu löschen, ohne den Inhalt infrage zu stellen. Sinn der Übung ist es, die inneren Zensoren zu betäuben und den Schreibfluss in einen reißenden Strom zu verwandeln. Erst anschließend folgt die Überarbeitung, an deren Ende ein authentischer Text steht.

Ein Blogpost sollte sich lesen wie eine Erzählung zwischen Freunden an einer Bar, wenn der eine dem anderen von seiner Reise berichtet. Erzählen Sie Geschichten, anstatt nur Fakten aneinander zu reihen. Nehmen Sie persönliche Erlebnisse als Anlass, über ein Thema zu bloggen. Ob sich der fertige Blogpost flüssig liest, finden Sie am besten heraus, wenn Sie ihn sich selbst laut vorlesen. Außer einer schönen Schreibe zählt bei einem erfolgreichen Blog auch der konkrete Mehrwert, den Sie Ihren Lesern bieten. Das können Tipps, Anleitungen oder Produktbesprechungen sein.

Welche Länge ist für einen Blogpost angemessen?

Ein allzu langer Text schreckt ab. Wenn die Ideen nur so aus Ihnen heraussprudeln, sollten Sie Ihren Text deshalb lieber in kleinere Häppchen aufteilen. Bei einer solchen Artikel-Reihe wissen die Besucher zudem, dass sich ein Wiederkommen lohnt.

Wenn Sie einen langen Eintrag aufteilen, haben Sie gleich mehrmals die Möglichkeit, eine spannende Überschrift und einen reizvollen Einstieg zu finden, der Leser in den Text zieht. Die meisten Besucher lassen sich nicht viel Zeit beim Scannen von Überschriften und den ersten Zeilen. Bevor die Ungeduldigen also weiterklicken, sollten sie schnell erfassen können, was der Blogeintrag verspricht.

Ein effektives Stilmittel sind Fragen, die Sie als Beitragsüberschrift stellen und im Text beantworten. Oder Sie versuchen es mit einer frechen Behauptung: „Warum Hannover die schönste Stadt der Welt ist“ – das macht neugierig. Offene Fragen bieten sich an, um einen Blogpost zu beenden – vielleicht haben Ihre Leser passende Antworten parat, die sie als Kommentar dalassen.

Mit c’t wissen Bloggen hat die c’t gerade ein Sonderheft zum Bloggen herausgebracht. An wen richtet sich die Sonderausgabe?

Besser Bloggen ct Sonderheft

Das Heft richtet sich an alle, die es mit dem Bloggen probieren möchten oder schon ein Blog gestartet haben. Die Artikel erklären die Grundlagen und zeigen, wie man mit WordPress sein eigenes Blog umsetzt und es vor Trollen und Spammern absichert. Fortgeschrittene Nutzer versuchen sich an einem eigenen WordPress-Theme. Außerdem zeigt c’t wissen, wie man mehr Besucher ins Blog lockt und was aus rechtlicher Sicht zu beachten ist. Schließlich soll eine unvollständige Datenschutzerklärung nicht den Spaß am Bloggen verderben. Das Sonderheft „c’t wissen Bloggen“ ist im Heise-Shop erhältlich.

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By | 2018-02-05T15:43:35+00:00 09.12.2015|Categories: Content-Marketing|5 Comments

About the Author:

Alexa Domachowski
Alexa ist für das Content Management bei Heise RegioConcept zuständig und sorgt dafür, dass der Blog regelmäßig mit Leben gefüllt wird. Zuvor studierte sie „Internationales Informationsmanagement – Informationswissenschaft“ (M.A.) an der Universität Hildesheim. Neben der kreativen Textproduktion gehört alles rund um das Thema Social Media Marketing zu ihren Aufgaben.

5 Kommentare

  1. Urs E. Gattiker - DrKPI 13. Dezember 2015 um 19:26 Uhr - Antworten

    Liebe Frau Domachowski

    Danke für diesen Beitrag. Vor 3 Tagen ist das Heft bei mir eingetroffen. Einige Tipps sind sehr interessant mit anderen bin ich nicht unbedingt einverstanden. So z.B.
    „Ein Blogpost sollte sich lesen wie eine Erzählung zwischen Freunden an einer Bar, … “ (S. 30)
    Welche Daten hier Herr Berger zu Rate zog um diese Behauptung aufstellen zu können ist unklar. Das kommt wohl sicherlich auf den Blog an. Ein Wissenschafts- oder Corporate-Blog wird sich wohl kaum einer solchen Sprache bedienen.
    Aber dies sind halt so Dinge, „nobody is perfect“ … aber die hilfreichen Dinge inkl. Werkzeuge achen dieses Heft wertfoll für jeden Blogger.
    Chapeau et Merci
    Frohe Festtage
    Urs
    PS. Warum sind eigentlich die Blogeinträge wie dieser bei Heise nicht datiert. Keine gute SEO Strategie laut Google…

    • Alexa Domachowski
      Alexa Domachowski 14. Dezember 2015 um 09:13 Uhr - Antworten

      Lieber Herr Gattiker,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr Feedback.
      Es freut mich, dass Ihnen die c’t Wissen gefällt. Leider kann ich Ihnen keine Antwort liefern, auf welchen Daten die Texte der c’t basieren. Hier würde ich Ihnen raten, den jeweiligen Autor zu kontaktieren. Daniel Berger kann Ihnen sicher besser weiterhelfen, wenn Sie Fragen zu seinen Inhalten haben. Was er aber mit der Aussage meint, ist, dass es prinzipiell bei Blogbeiträgen besser ist, die Sprache etwas lockerer zu halten, sodass es sich eben nicht liest wie ein Fachbuch.
      Viele Grüße
      Alexa Domachowski
      P.S.: Die Blogbeiträge sind datiert. 😉 Unter den Sharing-Buttons finden Sie Autor, Datum und Kategorie.

  2. Urs E. Gattiker - DrKPI 14. Dezember 2015 um 09:32 Uhr - Antworten

    Liebe Frau Domachowsi
    Danke
    Jetzt sehe ich die Daten. Mal schauen was unser Crawler meint 🙂

    Dass man prinzipiell bei Blogeinträgen besser fährt wenn es lockerer geschrieben ist, widerlegen unsere Daten auf auf http://DrKPI.de (z.B. tausende von Corporate Blogs aus Deutschland).
    Diese Daten zeigen uns, dass weniger locker geschriebene Texte mit mehr Substanz zu mehr Leser-Kommentaren führen wie auch mehr Shares auf den Social Networks….

    Aber wir reden von Corporate Blogs und sie vielleicht auch von Hobby Blogs… da kann es sicherlich anders sein.

    Frohe Festtage wünscht
    Urs E. Gattiker
    DrKPI

    • Alexa Domachowski
      Alexa Domachowski 14. Dezember 2015 um 15:40 Uhr - Antworten

      Ich denke, dass auch auf Corporate Blogs durchaus ein lockerer Ton herrschen kann – das hängt vom jeweiligen Thema ab. Der Bestatterweblog (http://bestatterweblog.de/) ist sehr erfolgreich mit einem Wording, das alles andere als ernst ist. Auch wenn ein Maler mit Fachjargon jongliert, wird er damit nicht seine potenziellen Kunden, sondern bestenfalls andere Fachkundige erreichen. Es hängt also stark davon ab, wen man ansprechen möchte und was man mit dem Blog bezweckt. Dann kann auch ein Corporate Blog lustig und unterhaltsam sein.

  3. Michael Praschma • Texter 21. Dezember 2015 um 20:26 Uhr - Antworten

    LOCKER BLOGGEN…
    Das Beispiel „wie mit Freunden an der Bar“ ist vielleicht etwas irreführend. Da können ja je nach Bar, Art der Freunde (und Uhrzeit!) Welten dazwischen liegen. Aber in Wahrheit geht es um etwas anderes. Wir stoßen im deutschsprachigen Raum immer noch zu oft auf diese Einstellung, dass etwas entweder lustig oder aber seriös ist. Und das ist selbstverständlich Unfug.
    Fingerspitzengefühl muss ich natürlich haben, wenn ich eine wesentliche Botschaft so locker formuliere, dass sie mit einer gewissen Lust verstanden wird. Manchmal brauch ich auch Mut. Aber was kann denn Besseres passieren, als dass der Redner am offenen Grab den Angehörigen ein Lächeln entlockt? – Also, es geht immer. Wenn man’s kann.

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