Facebook at work

Mitte Januar 2015 wurde mit Facebook at Work ein eigenes Netzwerk für Unternehmen in die Testphase geschickt – nicht öffentlich wohlgemerkt. Seitdem ist es ruhig um das Projekt geworden. Genauere Auskünfte aus Mark Zuckerbergs Imperium waren und sind karg, das gewaltige Medienecho ist großteils nach wenigen Tagen verhallt. Doch Unternehmen, die einfach abwarten, könnten eher ein Facebook-Intranet haben, als ihnen lieb ist.

Kein Problem: Kenn ich schon, kann ich schon

Facebook at Work ist … fast genau das, was der Name verspricht: nämlich das soziale Netzwerk, wie man es kennt, nur im geschlossenen Rahmen eines Unternehmens – eine Art Intranet, allerdings bei Facebook gehostet. Es gibt Gruppen, Chats, Nachrichten und Kommentare, Veranstaltungen, das Ganze natürlich auch als App fürs Smartphone (Android und iOS), mit individuellen Konten samt Profil für alle Mitarbeiter.

Das System ist zur restlichen Facebook-Welt durch Verschlüsselungstechnologien abgeschottet, heißt es aus Menlo Park, aber genauere Auskünfte dazu gibt es nicht. Stutzig macht, dass man sich der Einfachheit halber auch vom privaten Account aus einloggen kann, ohne sich umzumelden. Facebook selbst gibt an, das Tool intern bereits seit Jahren erfolgreich zu verwenden. Es sei effizient für die Mitarbeiterkommunikation, teilte eine Sprecherin des Unternehmens in der „Welt“ mit. Und vor allem entfällt die Schulung at Work: Facebook kann fast schon jeder.

Gibt es schon: sicheres Social Intranet

Zwar kann man die erforderliche App bereits herunterladen, aber Anmeldungen sind noch nicht möglich – was man allerdings erst erfährt, wenn man es probiert:

HRC_2015-81_Facebook_at_Work

Wer durch die zahlreichen Medienberichte surft, stößt – vor allem bei Online-Kommentaren – auf Skepsis. Ohne Not will hierzulande kaum ein Unternehmen betriebliche Vorgänge einer Plattform anvertrauen, die mit dem Datenschutz notorisch unbekümmert umgeht.

Bleibt die Frage, was Facebook at Work bringen könnte. Die Social Kommunikation mag amüsant sein – übersichtlich kann man sie wohl kaum nennen. Dass sich netzwerkmäßig wilde produktive Prozesse entwickeln, ist fraglich. Und der Zusatznutzen könnte durch müßiges Chatten –„Ist ja beruflich!“ – wieder zunichte gemacht werden. Am schwersten wiegt aber: Es ist nichts wirklich Neues. Der Markt hält bereits eine Vielzahl von Groupware, Kollaboration-Systemen und Lösungen für die interne Kommunikation bereit, auch in sparsamen Open-Source-Varianten. Für Mitteilungen gibt es E-Mails und Messenger; Kommentieren lässt sich ohne Not auch in den Login-Bereichen des Firmen-CMS (selbst WordPress ermöglicht das). Das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten schließlich ist zumindest bisher auf Facebook unbekannt – auch dafür gibt es anderswo bequeme Cloud-Lösungen, und sei es Google Drive. Wer bereits ein Intranet aufgesetzt hat, fragt sich zu Recht, wozu er sich Facebook zusätzlich antun soll.

Fazit: Facebook zuvorkommen

Dass Facebook sich auch im Business-Bereich etablieren will, ist verständlich. Der Zeitpunkt der Markteinführung des Tools ist allerdings noch nicht einmal bekannt. Angesichts vieler ungeklärter Fragen und aus Mangel an eigenen Testmöglichkeiten besteht kaum Grund, der Einführung entgegenzufiebern.

Facebook at Work ist wohl wenigstens nicht so riskant wie Abteilungen, die sich in eigener Regie mit normalem Facebook vernetzen. Es ist aber sicher nicht so sicher wie eine saubere Kollaboration-Software. Zuckerberg dürfte vor allem darauf spekulieren, dass die User den Umgang mit Facebook bereits gewohnt sind. Und dass alles, was mit Mobile zu tun hat, eine gewaltige Eigendynamik entwickelt. Facebook at Work ist also ein guter Anlass, die Einrichtung unternehmensinterner Collaboration-Lösungen nicht länger aufzuschieben.

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