Online Lebensmittel

Lebensmittel online zu kaufen ist längst nicht mehr der allerletzte Schrei. Etliche Handelsketten sind da schon im Geschäft. Dass das Business aber noch nicht wirklich brummt, hat – auch! – nachvollziehbare Gründe. Zum Beispiel, wenn schlampige Paketdienste und schlapper Supermarktsalat zusammenkommen. Spannend ist aber die Diskussion, seit Jeff Bezos sein Amazon-Schlachtschiff in die Gewässer des deutschen Lebensmittelhandels gesteuert hat. Amazon Fresh ist in Berlin und Potsdam seit dem 4. Mai aktiv und schon wird die Verschiebung von 40.000 Arbeitsplätzen in den Online-Bereich prophezeit. Zugleich spöttelt aber der Wirtschaftsteil der Zeit: „Jeff macht in Mango“ – mit Hinweis darauf, dass Amazon Fresh in den USA nach zehn Jahren gerade einmal in 20 Städten ausliefert.

Der Online-Handel schafft Win-win-Situationen

Wenn Amazon Appetit zeigt, erregt das immer ein Aufsehen, als ob der weiße Hai aus der Kanalisation gesprungen käme. Das soll keine Verharmlosung sein: Die fast 8 Mrd. Euro Umsatz von Amazon in Deutschland muss ja vorher großteils jemand anderes gemacht haben. Aber im vorliegenden Fall gehören doch ein paar Zusammenhänge mitgedacht:

  • Rewe, Lidl, Netto und andere sind in diesem Bereich schon online. Sie platzen zwar nicht mit dem Big-Data-Equipment in den Markt, das Amazon mitbringt, aber ihre bisherigen Ergebnisse erlauben doch gewisse Rückschlüsse auf das Käuferverhalten.
  • Nur 1 % des deutschen Lebensmittelmarkts – insgesamt immerhin etwa 200 Mrd. Euro schwer – geht bisher auf das Konto des E-Commerce.
  • Amazon Fresh wird bis auf Weiteres für weniger als 5 % der deutschen Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Es wäre also übertrieben, wenn sich der Gemüsehändler am Münchner Viktualienmarkt jetzt plötzlich zu Tode fürchten sollte. Einen Seitenblick sollten er und alle vergleichbaren kleinen und mittleren Geschäftsleute dennoch riskieren! Denn es gibt auch unabhängig vom aktuellen Anlass eine interessante Entwicklung bei der Kombination von stationärem und Online-Handel: „Geht der Einzelhandel online, wächst die digitale Innenstadt“ lautete der Titel unseres Schwerpunktbeitrags vor wenigen Monaten. Thema war ein erfolgreiches Projekt in Kooperation von lokalem Handel, Kommunen und – eBay!

Der Aha-Moment dabei: die Erkenntnis aus einer Studie, dass 80 % der Verbraucher zwar gerne gemütlich von zu Hause aus shoppen, aber 57 % der Befragten zugleich sagen, dass sie lokale Geschäfte bevorzugen. Zudem kaufen 70 % nur einmal monatlich online ein. Es wäre also auch vor diesem Hintergrund völlig verfehlt, als Einzelhändler die Flinte ins Korn zu werfen, gleichgültig ob im Food- oder Nonfood-Sektor. Denn auch wenn die Erfahrungen der „digitalen Innenstädte“ noch nicht repräsentativ sein mögen – sie ermutigen doch dazu, Synergien zu nutzen und auf Trends aufzuspringen, die es neben dem unbestreitbaren Zuwachs des Online-Handels eben auch gibt.

Der Verzahnung von Offline- und Online-Handel werden erhebliche Chancen eingeräumt. Stichworte wie „digitaler Ladentisch“ und „Omni-Channel-Handel“ verweisen auf Digitalisierungsstrategien, die für Unternehmen jeder Größenordnung zugänglich sind. Und dass selbst explodierende Umsatzzahlen im E-Commerce nicht das Aus für den stationären Einzelhandel bedeuten, wurde an dieser Stelle schon mit vielen Beispielen und praktischen Hinweisen belegt. Gratis-WLAN im Verkaufsraum, womöglich mit 1 Mbit/s-Downloadrate, ist noch kein Ticket für gelungene Digitalisierung.

Fazit: Amazon wildert – das sollten die Einzelhändler auch!

Die Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods durch Amazon für 14 Mrd. US$ ist freilich nicht nichts! Man darf also die Hände nicht in den Schoß legen. Der Lebensmitteleinzelhandel hat den Vorteil, dass Menschen seine Waren wirklich brauchen, und das täglich. Mit diesem Pfund gilt es auch online zu wuchern. Aktuelle Zahlen zeigen, dass auch für Unternehmen, die im Online-Bereich bisher nicht aktiv waren, die Felle noch nicht davongeschwommen sind: Bei Nahrungsmitteln und Getränken wird auch bis zum Jahr 2021 der Online-Umsatz noch unter zwei Milliarden liegen – kaum mehr als 1 Cent pro Euro. Doch die Schere kann sich schließen, und dann wird es eng für diejenigen, die sich gar kein Stück vom E-Commerce-Kuchen gesichert haben.

„Wie schnell welcher Anteil der Umsätze letztendlich bei Amazon landet, hängt sicherlich von der Ausbaugeschwindigkeit ab, aber auch davon, wie schnell und engagiert die Lebensmitteleinzelhändler ihre eigenen Online-und Multikanallösungen ausbauen“, sagt der Handelsexperte Michael Lierow. Und dabei sollten diese Unternehmen ihre intensiven Erfahrungen im Umgang mit Kunden als zentrales Kapital einsetzen. Denn Kundenbindung, positive Customer Experience und starker Service zählen im Online-Bereich nicht weniger als im Tante-Emma-Laden.

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