appear-in_Chat Gruppe

Die Vorteile, Menschen an verschiedenen Orten zu einem Treffen mit Blickkontakt zusammenzubringen, liegen auf der Hand. Kostenlose Videokonferenzen sind an sich auch nichts Neues. Ordentliche Systeme bieten meist zusätzliche Möglichkeiten wie z.B. parallel Bildschirminhalte zu senden oder Textnachrichten zu posten. Microsoft hat mit seinem Software-Platzhirsch Skype eine sehr vielseitige Voice-over-IP-Lösung erworben, musste sich aber auch harsche Vorwürfe hinsichtlich der Abhörsicherheit gefallen lassen. Speziell für Unternehmen, die etwas mehr Privatsphäre erwarten, ist das ein bedenklicher Aspekt.

Skandinavische Lösung: Appear.in ist schlank programmiert und sofort einsetzbar

Ein Teil des Problems besteht darin, dass Skype nur per Download und nach Login nutzbar ist. Der Kreis potenzieller Konferenzpartner ist also auf angemeldete Skype-Nutzer beschränkt – was im Rahmen bestimmter Firmennetzwerke von vornherein als unzulässig gilt. Aber auch wenn man davon einmal absieht: Der Gesprächspartner muss erst zur Installation zusätzlicher Software und zum Einrichten eines Accounts bewegt werden. Das zahlt sich aber nur aus, wenn Skype dann auch häufig und mit echtem Gewinn genutzt wird. Im Übrigen ist es durchaus Arbeit, eine Skype-Konferenz mit mehreren Teilnehmern (bis zu 25 sind theoretisch möglich) aufzubauen.

An diesem Punkt greift appear.in ein. Die norwegische Applikation setzt auf einfachen Zugang: Der gesamte Aufwand für eine Videokonferenz mit bis zu acht Teilnehmern reduziert sich darauf, einen Start-Button anzuklicken und die URL der Seite, die sich dann öffnet, den übrigen Teilnehmern zuzusenden. Das ist tatsächlich alles! – Und der Haken an der Sache? Bis auf wenige Nebensächlichkeiten: keiner.

Im Vergleich mit Skype wenige Einschränkungen und kleinere Hürden

Da die Verbindung über die relativ neue Technologie Web-RTC läuft, müssen User einen der drei dafür geeigneten Browser verwenden: Chrome, Firefox oder Opera, zusätzlich gibt es Apps über Google Play und bei Apples App Store. Microsoft arbeitet angeblich daran, den Internet Explorer entsprechend aufzurüsten; z Apples Safari ist noch nichts bekannt. Mithilfe diverser Plugins lässt sich die Lücke allerdings überbrücken.

Allerdings: Ein wesentliches Feature von Skype, nämlich parallel zur Konferenz Dateien zu senden, fehlt bei appear.in (die Hauptzielgruppe sind junge Menschen in Freizeitsituationen). Auch Verbindungen in Fest- und Mobilfunknetze sind nicht möglich. Und Screensharing läuft bisher über Firefox nicht – ansonsten aber erlaubt appear.in unkompliziert einige pfiffige Extras, z.B. nur Fenster eines bestimmten Programms zu teilen.

Appear.in wurde von einem sehr kleinen Team in einer Tochterfirma des norwegischen Telekom-Marktführers Telenor entwickelt – nach eigener Auskunft eben nicht als Konkurrenz zu Skype oder Google+ Hangouts, sondern als Angebot eher für den Privatbereich. Sicherheitserwägungen könnten dennoch ein Argument für die geschäftliche Verwendung sein: Systembedingt (z.B. läuft im Regelfall die Kommunikation direkt zwischen Rechnern, nicht über einen Drittserver wie bei Skype) scheint die Abhörsicherheit hier höher zu sein als bei den meisten anderen Videokonferenz-Anwendungen.

Offener oder geschlossener Konferenzraum nach Wunsch

Die Seite, auf der man sich trifft, heißt nicht nur „room“, sondern funktioniert auch weitgehend wie ein realer Raum. Appear.in generiert auf der Startseite laufend ausgefallene URLs, die durch Anklicken von „Start“ zum Namen des Raums werden, z.B. appear.in/luxurious-koala. Man kann aber auch selbst einen Namen für den Raum einfach in die Adresszeile des Browsers eingeben, etwa „appear.in/max-mustermann“. Ist dieser Raum noch nicht benutzt, steht er sofort zur Verfügung. Ein Blick in die Menüzeile: Steht dort die Option „Claim“, lässt sich der Raum dauerhaft reservieren und, unabhängig davon, auch mit „Lock room“ für andere Nutzer verschließen.

Blockierter Raum appear-in

Räume, die bereits jemandem gehören und vom Eigentümer verschlossen wurden, erkennt man daran, dass  ein entsprechender Hinweis erscheint. Mit „Knock“ kann man dennoch um Einlass bitten. Ähnlich einfach und intuitiv erfassbar lassen sich Teilnehmer einladen oder aus einer Konferenz hinausbefördern bzw. generell blockieren, Benachrichtigungen einrichten usw. Eine leicht verständliche FAQ-Seite (englisch) erklärt die gesamte Funktionalität – einschließlich der Nutzung von appear.in mit Mobilgeräten.

Was gilt es bei der Nutzung von appear.in zu beachten?

Unbestreitbarer Vorzug des ganzen Designs von appear.in ist die Schlichtheit. Deswegen genügen für einen eigenen Test auch Mikrofon und Kamera sowie einer der genannten Browser – abgesehen von einigen Gesprächspartnern, die ein paar Minuten Zeit haben. Für den Umgang mit den Funktionen gibt es beim Gegenüber erst einmal keinen Erklärungsbedarf; der Partner muss nur den Link zum angegebenen Raum anklicken. Kleine Widrigkeiten im Alltag können je nach Browser z.B. mit Benachrichtigungen und der Webcam vorkommen. Aber die Norweger haben einen sehr geduldigen und aufgeschlossenen Support auf Englisch per E-Mail.

Ein Probelauf vor Konferenzen mit deutlich mehr als zwei Personen ist allerdings vor dem Ernstfall dringend anzuraten, ebenso wie bei anderen Videokonferenz-Applikationen: Primär die Leistungsfähigkeit der Internet-Verbindung, aber auch der Prozessor des einzelnen Endgeräts kann bei der Übertragung von bis zu acht gleichzeitigen Videostreams schnell einmal überfordert sein – eine Peinlichkeit, die bei beruflich wichtigen Kontakten besser nicht vorkommen sollte.

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