Lange Produkttitel bei Amazon

© Amazon

„Jedes überflüssige Wort wirkt seinem Zweck gerade entgegen.“ Was zu Lebzeiten des Philosophen Arthur Schopenhauer (1788–1860) galt, ist bei vielen Amazon-Händlern in Vergessenheit geraten. Mitunter werden in dem Glauben, besser gefunden zu werden oder aufzufallen, halbe Romane in die Produkttitel gezwängt, inklusive falscher Schreibweisen, einer Unmenge an Keywords und Spezifikationen. Die Folge sind chaotische Suchergebnislisten. Davon sieht Amazon das Einkaufserlebnis seiner Kunden bedroht.

200 Zeichen müssen ausreichen

In den USA hat das nun ein Ende gefunden. Dort hat der Internet-Riese die Länge der Artikelbezeichnung im Titel auf 200 Zeichen begrenzt. Wie der US-Blog E-Commerce-Bytes berichtet, hatte Amazon USA mit einer Vorlaufzeit von etwa einem Monat eine E-Mail an seine Händler verschickt und sie darin aufgefordert, ihre Angebote entsprechend zu überprüfen und die Titel gegebenenfalls zu kürzen. Wer bis zum 15. Juli untätig blieb, hatte mit rigorosen Folgen zu rechnen: Später eingestellte Angebote sollten nicht mehr bei der Suche oder beim Stöbern angezeigt werden, waren also praktisch unsichtbar. Vor dem Stichtag eingestellte Angebote, die nicht in Form gebracht wurden, stutzte Amazon selbst zurecht.

Bei Händlern, denen ihr Produktkatalog am Herzen liegt, wären beide Alternativen Gift fürs Geschäft. Zwar zeigen Stichproben, dass die meisten Seller bereits jetzt unter 200 Zeichen liegen. Für eine klare Produktbezeichnung reicht das auch vollkommen aus. Hier hat möglicherweise auch schon eine Selbstdisziplinierung gegriffen, denn Google Shopping beispielsweise lässt schon lange nur 150 Zeichen zu, von denen maximal 70 angezeigt werden. Google empfiehlt seinen Händlern, „unterscheidende Produktattribute an den Titelanfang zu stellen und einen knappen, aufzählenden Stil zu verwenden“.

Wann kommt die Änderung nach Deutschland?

Auch deutsche Amazon-Händler sollten besser früher als später halblang machen und ihre Angebote einer kritischen Prüfung unterziehen. Es gab nämlich erste Hinweise darauf, dass die Begrenzung bereits zum 15. September auch in Deutschland eingeführt werden soll. In einem Verkäuferforum bei Amazon.de berichtet ein Händler von einer E-Mail, die er kürzlich vom E-Commerce-Giganten erhalten habe. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass zumindest in den Modekategorien ab Herbst kein Artikel mehr angezeigt werde, dessen Titel – genau: länger als 200 Zeichen ist. Außerdem würden alle Angebote mit einem Hauptbild, das keinen reinweißen Hintergrund aufweist, ebenfalls ausgefiltert und nicht mehr über die Suche oder beim Stöbern auffindbar sein. Die neuen Regeln können offenbar also noch weitere Angebotsdetails betreffen. Stand Mitte Oktober ist, dass Produkttitel mit mehr als 200 Zeichen zwar noch angezeigt werden (siehe Titelbild). Allerdings findet sich in der Kategorie „Mode“, wie angekündigt, kein Produktname mehr mit mehr als 200 Zeichen.

Fazit: Titel überarbeiten und sichtbar bleiben!

Deutsche Händler können dieses Wissen zu ihrem Vorteil nutzen. Dass die Änderung – ob früher oder später – auch hierzulande greifen wird, scheint nahezu sicher. Noch bleibt genügend Zeit, den eigenen Produktkatalog in aller Ruhe in Form zu bringen. Dazu stellt Amazon für die verschiedenen Produktbereiche auch sogenannte Style Guides zur Verfügung. Wer bei der Umstellung dann bereits mit regelkonformen Produkteinträgen am Start ist, hat die Nase vor denjenigen Mitbewerbern, deren Artikelbezeichnungen automatisch gekürzt oder gar nicht mehr angezeigt werden.

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