Sprachsteuerung

Vor 40 Jahren war das noch Science-Fiction: Captain Kirk musste nur seinen Kommunikator aufklappen, ein paar Worte hineinsprechen – und erhielt Antworten und Unterstützung. Heute heißt das: Smartphone mit Spracherkennung. Tatsächlich nennt Dr. Martin Cooper, früher General Manager bei Motorola und Erfinder des ersten Handys, Star Trek als Inspiration für seine bahnbrechende Idee: „To the rest of  the world it was fantasy. To me it was an objective.“

Siri: Als bequeme Bedienung fing es an

Die Spracherkennung entwickelte sich viele Jahre lang eher gemächlich, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Das hat sich grundlegend geändert. Die Erkennungsraten sind mittlerweile erstaunlich hoch und eignen sich damit auch für Anwendungen im Massenmarkt. Befeuert wird die Entwicklung durch die Big Player Apple, Google, Microsoft und Facebook, die in diesem Bereich allesamt Millionen in Übernahmen und neue Technologien stecken. Das wird auch Auswirkungen auf das Online-Marketing haben.

Apple entdeckte früh das Potenzial der Spracherkennung bei Smartphones und integrierte die Funktion schon 2011 in seine Produkte. Mit dem iPhone 4s lernten die Kunden Siri kennen. Das „Speech Interpretation and Recognition Interface“ ist als elektronische Assistentin gedacht und verleitete den „Stern“ seinerzeit zur Schlagzeile: „Siri kann alles – nur keinen Dialekt“.

Frage: Smartphones antworten gleich mit Lösungen

Google zog 2012 mit Google Now nach und erweiterte die Sprachbedienung stetig. Mittlerweile kann man mit dem System per Sprachbefehl Routen abrufen oder den Wecker stellen, aber auch nach dem nächsten Café oder Restaurant fragen. 2014 stellte Microsoft dann die hauseigene Lösung „Cortana“ vor, die künftig auch auf Android- und iOS-Systemen laufen soll. Und Facebook? Das Unternehmen kaufte Anfang 2015 den Spracherkennungsanbieter wit.ai. Kurz darauf erklärte der Facebook-Manager David Marcus, dass man an einer eigenen Spracherkennung arbeite. Im Juli verdichteten sich dann die Anzeichen, dass demnächst mit einem eigenen digitalen Assistenten zu rechnen ist, genauer: mit einer Assistentin. „Moneypenny“ soll sie dem Vernehmen nach heißen.

Aufgrund der erreichten Qualität und der Verve, mit der die großen Anbieter die Spracherkennung vorantreiben, wird sie künftig einen steigenden Stellenwert haben. Abgesehen vom Coolness-Faktor ist es einfach praktischer, eine Frage auszusprechen als sie umständlich einzutippen – auch wenn sich 56 % der Erwachsenen der Mobile Voice Study von Google zufolge dabei noch „wie ein Geek“ fühlen.

Fazit: Mit strukturierten Daten auf W-Fragen vorbereiten

Die sich verändernden Suchgewohnheiten werden auch Auswirkungen auf die SEO haben. Da die Entwicklung noch in vollem Gange ist, sind Unternehmen gut beraten, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Einige Trends lassen sich jedoch schon ausmachen:

  • Suchanfragen in Frageform werden zunehmen; sie entsprechen dem natürlichen Sprachgebrauch der Menschen.
  • Keywords werden zwar weiterhin wichtig sein, aber an Bedeutung verlieren. Grund ist, dass zumindest Google bei der Suchanfrage auch weitere Informationen über den Nutzer zurate zieht, etwa von anderen Google-Services. Bei der Suche nach einem indischen Restaurant in der Nähe spielen dann Bewertungen auf Google+ Local und die eigene Position eine mindestens ebenso große Rolle.
  • Das heißt: Spracherkennung rückt die SEO-Zielgruppe junger, mobiler Anwender mit aktuellen Bedürfnissen vor Ort noch stärker in den Fokus.
  • Dieser Klientel wollen die Suchmaschinen verstärkt selbst Antworten geben (deutliche Indizien für diesen Trend sind z.B. der Google Knowledge Graph oder der  Google Buy Button).

Eine Anpassung der SEO-Strategie kann für Unternehmen demnächst also ratsam sein. Für Patentrezepte ist es noch etwas früh. Aber eine anständige mobile Version der eigenen Website, die zusätzliche Ausrichtung von Keywords auf W-Fragen und ein stärkeres lokales Online-Marketing sind auf jeden Fall ein guter Start. Ratsam ist es auch, die Suchmaschinenoptimierung schon einmal stärker an strukturierte Daten zu gewöhnen.

P.S.: Gute Ideen sind zeitlos. Schöner Beweis: Eine US-Firma hat den Kommunikator von Captain Kirk nachgebaut und will ihn Anfang 2016 auf den Markt bringen. Vorbestellungen werden bereits angenommen.

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