Usability Strategie richtig

„Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung“. Klingt nach Google, ist aber Leonardo da Vinci – auch wenn vor 500 Jahren an  Nutzerfreundlichkeit im Internet noch lange nicht zu denken war. Das Prinzip galt für das typische Braun-Design von Dieter Rams („Gutes Design ist so wenig Design wie möglich“), gilt für die Google-Startseite von heute und wird morgen nur noch wichtiger. Im mobilen Web zählt jede Millisekunde, jedes Pixel. Der erste, wichtigste Tipp ist und bleibt: Keep it simple! Nur ist das oft einfacher gesagt als getan.

In spätestens drei Klicks am Ziel – mit unseren Usability-Tipps gelingt es!

Die zentrale Usability-Strategie heißt: Lieber eine eigene Site aufsetzen (für ein Produkt, ein Projekt etc.) als einen neuen Button zu montieren. Denn ein Besucher, der einen Shop oder Firmenauftritt ansurft, hat meist ein klares Ziel. Das kann ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine bestimmte Information sein. Auf dem Weg dorthin sollte man ihm möglichst wenige Steine in den Weg legen. Konkret auf eine Seite bezogen heißt das: übersichtlich und einheitlich strukturieren. Dazu zählen vor allem

  • eine intuitive Bedienerführung,
  • eine deutlich lesbare Schrift,
  • sehr gute Ladezeiten sowie
  • eine klare Gliederung.

Leider werden noch immer zu viele Webseiten vom Portfolio geprägt (schließlich will man zeigen, was man alles hat oder kann). Auf Außenstehende wirkt das aber meist nur verwirrend und nervig. Bevor ich mich durch Link-Ketten geklickt habe, bin ich längst schon bei der Konkurrenz. Als Faustregel gilt: Mit höchstens drei Klicks sollte das Ziel erreicht sein.

Sauber und sparsam programmieren

Beim technischen Aufbau geht man mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner auf Nummer sicher. Korrekter Standard-Code – er lässt sich mit dem Validation Service des World Wide Web Consortiums (W3C) testen und zertifizieren – ist bei der Programmierung Pflicht, aufwendige Multimedia-Effekte sind die Kür. Wer sie trotzdem einsetzt – und das kann etwa bei Grafikagenturen durchaus verständlich sein –, sollte sich bewusst machen: Mit den steigenden Anforderungen sinkt die Zahl der Nutzer, die die Seite tatsächlich so flott und hübsch sehen, wie sie gedacht war.

„Der Kunde ist König“ heißt im Web: Bei Videos, Filmen etc. sollte er informiert werden und handeln können, beispielsweise mit Statusanzeigen während des Ladens oder mit Steuerelementen bei Multimedia. Speziell Flash-Inhalte – seit jeher ein bewährtes Mittel, Besucher zu vergraulen – sind nach wiederholten Sicherheitslücken kaum mehr ratsam (und seit HTML5 auch nicht mehr unbedingt notwendig).

Formular-Schikanen entschärfen

Spätestens bei einer Anfrage oder Bestellung werden Eingabeformulare nötig. Auch hier gilt es, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wer Name, Adresse, Telefonnummer, Kontoverbindung und Schuhgröße abfragt, bevor er einen Prospekt zuschickt, macht seine Besucher – und potenzielle Kunden erst recht – stutzig. Formulare also nur, wenn sie notwendig sind, und dort mit möglichst wenigen Pflichtfeldern!

Ebenfalls gut: Der Cursor kann bereits im ersten Feld gesetzt werden, damit der Besucher gleich mit der Eingabe loslegen kann. Eine sichere Übertragung der Daten sollte selbstverständlich gewährleistet und dem Interessenten früh und deutlich zugesichert werden.

Auf Tauglichkeit prüfen (lassen)

Als sinnvoll haben sich Funktionstests auf unterschiedlichen Plattformen und von Außenstehenden (!) erwiesen. Ein Dropdown-Menü, das bei mir tadellos funktioniert, kann mit einem anderen Browser zur Flaute werden.

Für solche Tests braucht es kein kostspieliges Testlabor. Wertvolle Hinweise können meist schon Freunde und Bekannte geben, die den Auftritt durchklicken. Eine Alternative für Online-Projekte mit Budget ist ein Usability-Test per Crowdsourcing. Eine schnelle Möglichkeit, sich ein Bild von der Tauglichkeit des eigenen Internet-Auftritts zu verschaffen, ist der Selbsttest des Vereins Usability in Germany (UIG). Fast noch wichtiger ist aber der Google-Test auf Optimierung für Mobilgeräte (entsprechende Hinweise gibt auch die  Search Console).

Content auf der Website regelmäßig aktualisieren

Usability bezieht sich nicht zuletzt auf die Inhalte. Auch die sollen vor allem brauchbar sein. Veraltete Informationen machen die Seite nutzlos, so gut und schön sie sonst ist.

Insbesondere Mittelständler und Kleinunternehmen, die keine eigene Marketing- und Presseabteilung haben, starten oft euphorisch mit einem Newsblog samt Facebook- und Twitter-Account, verlieren die Pflege nach kurzer Zeit aber aus den Augen. Auf Besucher wirkt das wie eine Bauruine: Liegt der letzte Eintrag schon ein Jahr zurück, stellt sich die Frage, ob es die Firma überhaupt noch gibt.

Testfrage: „Wer braucht das? Und wenn ja: Wozu?“ – Überdenken Sie die Struktur Ihrer Website!

„Möglichst wenig – und das immer aktuell“ lautet der Wahlspruch der Usability. Das gilt für jede Seite, für jede Einkaufsabwicklung und jeden Newsletter, für die Navigation ebenso wie für die Suchfunktion. Die Kunst besteht – wie bei jeder Kunst – im Weglassen. Beispiel Leonardo: Welchen Schmuck trägt die Mona Lisa? Ist aber trotzdem recht anziehend, oder?

Der nächste Teil dieser Serie wird sich einige häufige Fehler vornehmen, die Seitenbetreiber im Wettbewerb um Kunden tunlichst vermeiden sollten. Und um die Basics der Usability kennenzulernen finden Sie hier den ersten Teil unserer Ratgeber-Serie.

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