Usability Mobilgerät

Mobiloptimierte Webseiten sind für Unternehmen längst zur Pflicht geworden. Ein paar Zahlen für Skeptiker: Im Februar vermeldete der Digitalverband Bitkom einen „steilen Anstieg des Datenvolumens in den Mobilfunknetzen“. Erstmals war der Umsatz mit dem mobilen Internet  – 10,3 Milliarden Euro – größer als mit Handygesprächen.

Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 zeigt, dass mittlerweile 55 % der Onliner auf mobile Netzinhalte zugreifen. Anwender mit mobilem Internet-Zugang wiesen „die höchste Nutzungsintensität auf“, heißt es in der Studie weiter. Nutzer mobiler Endgeräte sind demnach 158 Minuten am Tag online unterwegs, die Gesamtbevölkerung durchschnittlich 108 Minuten.

Mobile Nutzer ticken anders

Spätestens seit April 2015, als Google die Mobiloptimierung zu einem harten Ranking-Faktor  erklärte, sind Unternehmen zum Handeln gezwungen. Generell gelten die Aussagen der ersten drei Teile unserer Usability-Serie natürlich sowohl für die Interaktion mit stationären wie auch mit mobilen Endgeräten. Allerdings sind bei Smartphones und Tablets einige spezifische Besonderheiten zu beachten:

  • Der Bildschirm ist kleiner. Auch wenn man für diese Erkenntnis keinen Doktortitel braucht, hat sie doch weitreichende Auswirkungen auf die Gestaltung der Website.
  • Die Muster der Internet-Nutzung haben sich verändert. Das ergab unter anderem die ACTA-Studie 2014. So verwendet ein Drittel der Nutzer mindestens drei verschiedene Gerätetypen. Dabei erwarten sie, dass eine mobil aufgerufene Seite genauso gut funktioniert, wie sie es vom Standalone-PC kennen.
  • Und: Die Nutzung steigt sprunghaft. Der Studie zufolge sind 81 % der mobilen Onliner unter 30 Jahre mehrmals am Tag im Netz. In der Gruppe derjenigen, die lediglich mit einem Desktop-PC oder einem Laptop ins Internet gehen, sind nur 32 % täglich wiederholt online.

Unterwegs zählt Funktionalität

Eine mobile Optimierung ist kein Hexenwerk. Als einfache Möglichkeit bieten sich beispielsweise zwei verschiedene Versionen  des Internet-Auftritts an, die jeweils auf die Bedürfnisse der entsprechenden Nutzergruppe abgestimmt werden. Noch besser und von vielen Experten favorisiert ist ein Responsive Design, bei dem sich die Seiten automatisch an das Display des Endgeräts, von dem sie aufgerufen werden, anpassen.

So oder so, was macht eine Website mobiltauglich? Fragt man bei Google nach, raten die Experten unter anderem von der Flash-Nutzung, kleinen Schriftgrößen und einer zu engen Platzierung von Touch-Elementen ab – der sogenannte Wurstfingereffekt, bei dem versehentlich andere als die gewünschten Schaltflächen angetippt werden, lässt grüßen. Weiter empfohlen werden

  • ein festgelegter Darstellungsbereich, bei dem der Nutzer nicht oder möglichst wenig scrollen muss,
  • an die Bildschirmgröße angepasste Inhalte und Schriftarten
  • sowie ein optisches Design auf der Grundlage von für Mobilgeräte optimierter Technologie.

Weil der Platz auf dem Bildschirm, die Bandbreite und die Zeit des mobilen Nutzers begrenzt sind, sollten leicht erreichbare Inhalte immer höchste Priorität besitzen. Spielereien wie Pop-ups oder Videos verlängern die Ladezeiten und stören nur. Eine Bewegung mit dem Finger zuviel, und der Seitenbesucher ist weg.

Auch Eingabeaufforderungen reduziert man besser auf das nötige Minimum, da sie für viele mobile Nutzer weitaus umständlicher auszuführen sind als für solche mit einer Tastatur auf dem Schreibtisch. Und was sonst noch beim Navigieren und Orientieren auf dem Smartphone eine Rolle spielt, hat das Marktforschungs-Institut eResult auf der Basis einer Grundlagenstudie in 22 hilfreichen Guidelines zusammengetragen.

Support für Einsteiger und Fortgeschrittene

Für Unternehmen und Händler, die sich mit der Thematik noch nicht auseinandergesetzt haben oder unschlüssig sind, wo sie bei der Mobile Usability anfangen sollen, gibt es zahlreiche Hilfestellungen. Google bietet einen Online-Test an, mit dem innerhalb weniger Minuten geprüft werden kann, ob und wo es hakt. Speziell an kleine und mittlere Unternehmen wendet sich das Kickstart-Package Mobile Usability, das Quellen zum Grundlagen- und Expertenwissen bündelt. So ausgerüstet kann und sollte die Umsetzung möglichst bald und bei Bedarf auch mithilfe eines externen Dienstleisters angegangen werden.

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