Usability Basics

Wohl kaum etwas nervt mehr als eine unübersichtliche und hakelig zu bedienende Webseite. Bei einem Hobby-Sammler, der mir die Schmuckstücke seiner Gesteinskollektion präsentieren will, ist das noch zu verschmerzen. Bei Online-Shops oder Unternehmen, die im Netz für sich und ihre Leistungen werben wollen, sieht das ganz anders aus. Als „signifikant relevante Hebel zur Erhöhung der Kaufwahrscheinlichkeit“ identifiziert die Online-Shop-Studie von Statista vor allem

Insgesamt wurden für die  Usability-Analyse 1300 Online-Shops anhand von 115 Prüfkriterien untersucht. – Grund genug also, die Gebrauchstauglichkeit der eigenen Webseite genauer unter die Lupe zu nehmen und das Nutzererlebnis zu optimieren.

Zufriedene Anwender bleiben – und kommen wieder

Besucher kommen in aller Regel aus einem ganz bestimmten Grund auf eine Webseite: Sie suchen ein Produkt, eine Dienstleistung oder gezielt Informationen. Jede unnötige Hürde, die ihnen dabei im Weg steht, führt dazu, dass sie sich abwenden und lieber andere Seiten anklicken, die eine schnellere Lösung versprechen.

Was eine gut zu nutzende Webseite ausmacht, hängt zwar immer auch mit dem Unternehmen und der Zielgruppe zusammen. Aber die zentralen Ziele darf man sich getrost von der internationalen „DIN EN ISO 9241 – Ergonomie der Mensch-System-Interaktion“ abgucken. (Die umfangreiche Richtlinie regelt, wie Computersysteme beschaffen sein sollten, sodass Menschen, die damit arbeiten, keinen Schaden nehmen; sie ist ergo auch für App-Entwickler oder GUI-Designer von direkter Bedeutung.) Leitkriterien für die Gebrauchstauglichkeit sind dort

  • Effektivität,
  • Effizienz und
  • Zufriedenheit.

Mit anderen Worten: Nutzer sollen ihr Ziel genau, vollständig und mit möglichst wenig Aufwand erreichen. Gelingt dies auch im Online-Geschäft, entwickeln die Besucher bei der Nutzung eine positive Einstellung – und kommen beim nächsten Einkauf gerne wieder.

Unsere sieben Usability-Regeln

Konkreter wird es bei den sieben Grundsätzen der Dialoggestaltung nach DIN EN ISO 9241-110 (Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung), die für Unternehmen und Shop-Betreiber essenziell sind. Ob als Checkliste oder Mantra – sie sollten unbedingt verinnerlicht werden. Wer hier patzt, läuft Gefahr, seine Kunden zu vergrätzen. Das sind die sieben goldenen Usability-Regeln:

  1. Aufgabenangemessenheit: Der Dialog sollte den Benutzer unterstützen und unnötige Arbeitsschritte ersparen. Das funktioniert beispielsweise mittels voreingestellter Parameter in Formularen und mit einer Suche, die wichtige Informationen leichter zugänglich macht, während sie unnötige Auskünfte vermeidet.
  2. Selbstbeschreibungsfähigkeit: Die Nutzerführung ist intuitiv, lässt den Besucher nicht orientierungslos und gibt ihm Hilfestellungen. Maßnahmen sind hier etwa die Einteilung eines Bestellvorgangs in kleine Schritte, die der Käufer nachverfolgen kann, oder auch die Anzeige einer Sanduhr, wenn er auf Rückmeldung warten muss.
  3. Steuerbarkeit: Der Webseitenbesucher muss in der Lage sein, die Dialogrichtung und -geschwindigkeit zu bestimmen. Hier kommen unter anderem Zurück-Buttons infrage oder die Möglichkeit, einen Dialog abzubrechen und zur Startseite zurückzukehren.
  4. Fehlertoleranz: Irren ist menschlich. Deshalb sollte die Softeware Nutzereingaben auf Plausibilität prüfen und etwaige Fehler verständlich erklären. Die Zeiten der „Guru Meditation“ sind seit dem Commodore Amiga vorbei. Besser ist es beispielsweise Korrekturmöglichkeiten anzubieten.
  5. Erwartungskonformität: Enttäuschungen hat niemand gern. Eine Webseite sollte daher konsistent aufgebaut sein, etwa durch Buttons, die so beschriftet sind, dass klar ist, was beim Anklicken passiert. Ein weiteres Beispiel ist der Warenkorb in einem Shop, den die meisten Nutzer aus Gewohnheit in der rechten oberen Ecke des Bildschirms erwarten.
  6. Individualisierbarkeit: Dieser Faktor wird nicht zuletzt mit der zunehmenden Mobilnutzung immer wichtiger und kann echte Wettbewerbsvorteile verschaffen. Idealerweise lassen sich die Bedienelemente und auch die Inhalte einer Webseite vom Nutzer individuell nach seinen Vorlieben anpassen und konfigurieren, ohne dass das gesamte Konstrukt zum unübersichtlichen Puzzle wird.
  7. Lernförderlichkeit: Wer mehr wissen will – oder generell einfach unsicher bei der Bedienung von Online-Dialogen ist –, soll die Möglichkeit haben, zu lernen und zu testen. Hier können beispielsweise FAQs, Sitemaps und die Möglichkeit von Testbestellungen oder -zugängen sinnvoll sein.

In den folgenden Teilen dieser Serie sehen wir uns genauer an, welche beliebten Fehler Sie besser nicht machen und was bei mobilen Webseiten besonders zu beachten ist. Zunächst aber gibt es in Teil 2 praktische Tipps: Was lässt sich mit relativ einfachen Mitteln tun, um die Usability zu verbessern?

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