barrierefreie websites

Etwas über 25 % der EU-weit von Eurostat Befragten geben an, von „seit langem bestehenden Einschränkungen betroffen zu sein“. Und: Etwa 20 % der Bevölkerung sind über 60 Jahre alt. Allein in diesen Gruppen – aber nicht nur hier – gibt es viele Menschen, die Probleme haben, sich ungehindert im Internet zu bewegen. Sie sind nämlich behindert – und zwar durch Websites, deren Design nicht barrierefrei ist.

Barrierefreiheit im Internet ist aber mitnichten lediglich eine Frage von Chancengerechtigkeit oder Inklusion: Websites, die tatsächlich für (fast) alle Content ohne Hindernisse bieten, profitieren auch selbst davon. Ein erheblicher Teil der Maßnahmen hin zu barrierefreiem Webdesign ist zudem leicht umsetzbar und verbessert zugleich auch das Nutzererlebnis aller übrigen Seitenbesucher – inklusive der Suchmaschinen!

Barrieren im Internet behindern nicht nur Menschen mit Behinderung

Bei Gebäuden versteht man es sofort: Die behindertengerechte Rampe erleichtert den Zugang nicht nur für Rollstuhlfahrer. Auch Eltern mit Kinderwagen oder Lieferanten mit Sackkarren haben etwas davon. Darum hat der Begriff „barrierefrei“ heute auch überwiegend das alte „behindertengerecht“ ersetzt, eben weil es nicht nur um Menschen mit Behinderung geht. Im Internet ist es ganz ähnlich.

Wenn Websites hinsichtlich Barrierefreiheit schlecht designt sind, leiden Nutzer – aber auch die Performance. Es geht ja nicht nur darum, dass Besucher einfach verlorengehen, weil sie z. B. an einem Bestellfeld scheitern. Hinzu kommt, dass Suchmaschinen es registrieren, wenn solche Nutzer die entsprechende Seite gleich wieder verlassen. Dieses negative Signal fließt unmittelbar in das Ranking der Seite ein. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt des Problems.

  • Beispiel 1 – Textformatierung: Klein gewählte Schriftgrößen sind nicht nur für Sehbehinderte lästig bis hin zur Unlesbarkeit, sondern auch allgemein, z. B. bei schlechten Lichtverhältnissen oder wenn ein Bildschirm einmal aus größerer Entfernung betrachtet werden muss. Zoomen hilft hier nur bedingt, weil etwa Zeilen nicht mehr vollständig am Bildschirm erscheinen. Barrierefreiheit hieße hier, nutzerverfügbare Schriftskalierung einzubauen.
  • Beispiel 2 – Überschriften: Ungünstig sind auch Titel und Zwischentitel, die nur über Zeichenformatierung (fett, größer) und nicht durch saubere HTML-Codierung (Titelhierarchie h1 bis h6) markiert werden. Denn weder Suchmaschinen noch etwa Assistenzsysteme für Sehbehinderte erkennen die Titel dann als solche. Für Menschen wird der Text unstrukturierter; für Suchmaschinen werden Chancen verschenkt, Keywords prominent zu präsentieren.
  • Beispiel 3 – Links und Bilder: Bildtexte haben für sehende Menschen einen hohen Hingucker-Effekt. Sie lenken den Blick fast gleichrangig mit der Headline. Für Menschen mit Sehbehinderung ist Bildtext wiederum die Rettung, um Illustrationen zu erfassen, obwohl sie das Bild als solches ja nicht erkennen. Alt-Texte zu Bildern helfen ebenso, und zwar auch den Assistenzsystemen wie den Suchmaschinen. Ähnliches gilt bei Links: Wenn der Linktext beispielsweise nur lautet „hier klicken“, erkennen diese Maschinen daraus keine Information – außer dass es sich um einen Link handelt. Linktexte sollen selbsterklärend sein.
  • Beispiel 4 – Buttons und ähnliche Elemente: Google mag es nicht; Menschen mit dicken Fingern auf dem Touchscreen verzweifeln; Menschen mit motorischer Beeinträchtigung genauso. Hier geht es um die Positionierung von Elementen auf dem Bildschirm. Alles, was zu dicht nebeneinander liegt, macht Probleme, wie überhaupt Seiten, die so angefüllt sind, als sollten Druckkosten gespart werden.
  • Beispiel 5 – einfache Sprache: Die KISS-Regel (Keep it short and simple!) für Texte hat bei Webtexten eine besondere Bedeutung, und zwar zunehmend. Hier geht es nicht nur um Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder schlechten Deutschkenntnissen – jeder ist froh, einen Text mühelos verstehen zu können. Das erhöht auch die Chance, dass man zu Ende liest. Das bedeutet nicht, schlechten Stil zu schreiben. Noch weitergehend: Alternativ zur Standardsprache setzen z. B. manche Behörden und sogar der Deutsche Bundestag auf ihren Seiten „Leichte Sprache“ein.

Welche barrierefreie Website für welchen Zweck?

Diese Beispiele stehen stellvertretend für viele. Eine anschauliche Liste für nicht barrierefreies Webdesign von t3n differenziert, welche Designs für welche Usergruppen problematisch sind, mit Do’s und Don’ts erläutert. Hier können Unternehmen Hinweise gewinnen, welche Prioritäten sie für ihre barrierefreie Website setzen sollen.

Einen Überblick, wen Accessibility betrifft, und einen Einstieg in die Grundlagen barrierefreien Webdesigns bietet Google auf Udacity in einem zweiwöchigen kostenlosen Online-Kurs. Ein sehr umfassender deutschsprachiger Leitfaden für barrierefreies Webdesign kommt von Jan Hellbusch. Dort finden sich neben den wesentlichen Sachinfos auch viele weiterführende Links. Rechtlich gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedliche Vorgaben – am weitestgehenden derzeit in Österreich, wo bereits Webshops barrierefrei designt sein müssen.

Fazit: Nutzen Sie die Vorteile der Accessibility für Ihre Website!

Es gibt praktisch nur Vorteile durch ein barrierefreies Webdesign, auch wenn größere Websites natürlich erheblichen Aufwand mit einer Überarbeitung haben werden. Neue Websites tun gut daran, zumindest die wesentlichen Features von vornherein einzubauen. Motivierend wirkt hier die Seite der Aktion Mensch mit dem Slogan: „Wie man sieht, dass eine Website barrierefrei ist? – Gar nicht. Das ist ja das Schöne!“ Mit einem entsprechenden Label für die Barrierefreiheit dennoch imagefördernd zu werben, ist ja niemandem verwehrt…

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