Mobile Update Folgen

Das war eine Aufregung: Die Ankündigung von Google, mobil-optimierte Webseiten künftig bei der Suche über Tablets und Smartphones in den Trefferlisten zu bevorzugen, spaltete die Netzgemeinschaft in zwei Lager. Die einen prägten den Begriff „Mobilegeddon“ und legten damit nahe, dass es für viele Unternehmen zu Veränderungen von katastrophalem Ausmaß kommen könnte. Andere dagegen sprachen vom „Y2K des Jahres 2015“ und meinten damit, dass wie beim Jahrtausendwechsel am Ende nichts Großes passieren würde. Nun sind einige Wochen vergangen, und eine differenziertere Analyse zeigt: Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Spürbare Folgen, aber längst kein Weltuntergang

Im Vergleich zu früheren Updates von Google wirkte sich der neue Algorithmus nicht schlagartig auf alle Suchergebnisse aus. Der Rollout dauerte und war erst vollständig, nachdem die Crawler alle Seiten nach der Umstellung erneut erfasst und auf ihre Mobiltauglichkeit hin überprüft hatten.

Kurz nach dem Stichtag waren tatsächlich erste Auswirkungen nachzuweisen. Searchmetrics und das Handelsblatt nannten beispielsweise das Online-Netzwerk Xing und das Portal wissen.de als vorläufige Verlierer. Beide Seiten waren seinerzeit laut Google-eigenem Test-Tool nicht mobil-optimiert. Die Sichtbarkeit von Seiten wie hotels.com und Focus Online, die bereits optimiert waren, hatte dagegen zugenommen.

Es lohnt sich allerdings, genauer hinzusehen: Bei Xing etwa sind die Nutzerprofile für Recruiter am wichtigsten. Diese waren bereits für Tablets und Smartphones optimiert. Darüber hinaus gibt es eine separate Xing-App, über die zahlreiche Nutzer ohnehin mobil angesprochen werden.

Sistrix verzichtete vorläufig ganz auf eine Gewinner- und Verliererliste. Vielmehr verwies der Tool-Anbieter auf häufige Fehler, die nach dem Update bei vielen Unternehmen zu Einbußen in der Sichtbarkeit geführt haben. Dies sind zum Beispiel übergroße Interstitials (Werbeunterbrecher) und klassische Konfigurationsfehler, allen voran der fehlende maschinenlesbare Hinweis für den Googlebot, dass eine alternative, mobiloptimierte Webseite eines Angebots unter einer anderen URL verfügbar ist.

So oder so – Mobiloptimierung ist jetzt dran

Dass aufgrund des Updates reihenweise Unternehmen aus den mobilen Suchergebnissen gekippt sind und deswegen nun vor der Insolvenz stehen, ist offenbar nicht der Fall. Einen Monat nach der Umstellung wurden 800 kleine und mittelständische Firmen zu den Auswirkungen des „Mobilegeddon“ befragt – in Australien zwar, aber die Ergebnisse scheinen sich weitgehend mit der Stimmung in Deutschland zu decken. Danach registrierten zwar 43 % der befragten Unternehmen Änderungen in ihrem Ranking. 64 % glauben aber auch, dass das Update „overhyped“ war.

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Vielleicht hat Google das so gewollt, um dem Zukunftsmarkt der mobilen Internet-Nutzung einen Schub zu verleihen. Einen Hinweis darauf gab es bereits am Tag des Updates aus dem Konzern selbst. Stolz verkündete er, dass in den beiden Monaten zwischen der Ankündigung und der Umsetzung des Updates eine Steigerung der mobil-optimierten Seiten um knapp 5 Prozentpunkte zu verzeichnen war. Viele Unternehmen mag das Update zudem gar nicht groß tangiert haben, da sie ohnehin bereits mobil-optimierte Angebote hatten.

 

Fazit: Zwischen zwei Bot-Besuchen nachbessern

Die Moral von der Geschichte: Ob mit oder ohne Google Update, an der Optimierung von Internet-Seiten für die mobile Nutzung führt kein Weg vorbei. Der Internet-Zugang über mobile Endgeräte nimmt weiter stark zu, und entsprechende Angebote werden für Unternehmen immer mehr zu einem Muss. Panik ist aber nicht angebracht, denn zum Handeln ist es nie zu spät. Wer seine Seiten jetzt anpasst, ist nach dem nächsten Besuch des Google-Crawlers wieder im Spiel.

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