Mobilegeddon Folgen

Am 21. April begann Google ein Update auszurollen, das mobil-optimierte Websites bei der Suche mit Smartphone und Tablet künftig bevorzugt anzeigt. Um die Ausmaße der möglichen Folgen zu verdeutlichen, bedienten sich viele Techies biblischer Endzeitrhetorik und tauften das Ereignis „Mobilegeddon“. In den darauffolgenden Wochen mehrten sich allerdings die Zweifel: War die Schlacht vor dem Jüngsten Gericht nicht eher bloß das jüngste Gerücht?

Die Auswirkungen sind eindeutig nachweisbar

Mittlerweile kann die Glaubensfrage mit einigen Zahlen und Daten beantwortet werden: „It was a big deal, after all“, ein großes Ding also, resümierte das Wall Street Journal bereits Mitte Juli. Werfen wir einen Blick auf die verfügbaren Informationen:

  • „10 % weniger Traffic nach Google-Update bei Unternehmen mit einer unzureichend mobil-optimierten Webseite“, heißt es zum Digital Advertising Report Q2/2015 von Adobe. Um die Einbußen zu kompensieren, hätten viele Firmen verstärkt auf bezahlte Suchmaschineneinträge gesetzt. Kein billiges Unterfangen, denn die Pay-per-Click -Kosten seien bei Google allein im vergangenen Jahr um 16 % gestiegen.
  • Searchmetrics tüftelt noch an einer ausführlichen Auswertung, hat aber bereits erste Ergebnisse bekannt gegeben. Demnach ist der Anteil von optimierten Seiten unter den ersten 30 Suchergebnissen nach dem Update von 68 auf 71 % gestiegen. Durchschnittlich habe sich das Ranking von mobil-freundlichen URLs um 0,20 Positionen verbessert, während nicht mobil-freundliche Adressen 0,21 Positionen verloren haben. Das sind auf den ersten Blick keine großen Sprünge. Seiten, die nach dem Update komplett aus den Top 30 gefallen sind, wurden aber gar nicht mit ausgewertet.
  • Die Berater von Stone Temple Consulting hatten vor dem Update Tausende von Suchanfragen gestartet und die Top-10-Ergebnisse dokumentiert. Einen Monat nach dem Update schauten sie nach, wo die Seiten geblieben waren. Das Ergebnis: 46,6 % der nicht mobil-freundlichen Seiten mussten Einbußen hinnehmen, aber kurioserweise konnten 19,5 % davon auch aufsteigen. Bei den mobil-freundlichen Websites gewannen 30,1 %, dagegen verloren 25,4 %.
  • Weitere Untersuchungen kamen auf einen Verlust von etwa 5 % Traffic für nicht-mobil-optimierte Websites oder wiesen Effekte nach, die aber keiner klaren Richtung zuzuordnen waren.

Kein großer Knall, aber eine große Chance

Einige Fragen bleiben offen. Warum mussten beispielsweise auch mobil-freundliche Webseiten Einbußen hinnehmen? Weil während des wochenlangen Ausrollens des Mobile-friendly-Updates auch ein „Search Quality Update“ eingespielt wurde, führt Stone Temple Consulting als einen Grund an. Manche Blogger vermuteten sogar Absicht: Die SEO -Gemeinde sollte nicht dahinterkommen, welche Auswirkungen welches Update genau hatte. Nicht zu vergessen ist, dass ohnehin angeblich über 200 Faktoren bei Googles Suchmaschinenalgorithmus eine Rolle spielen.

Googles Mobile-Friendly-Update war unter dem Strich kein großer Knall. Es ist vielmehr ein schleichender Prozess, und die Online-Marketing-Welt ist davon bisher nicht untergegangen. Aber auch wenn die Veränderungen im Ranking minimal ausfallen: Bei der Google-Suche macht es einen großen Unterschied, ob ich auf ein und derselben Ranking-Seite oben oder unten stehe.

Fazit: Freundlich ist bald nicht mehr mobil genug

Wie geht’s jetzt weiter? Die Konkurrenz jedenfalls schläft nicht: Moovweb hat herausgefunden, dass der Anteil an mobil-freundlichen Websites bei den 3500 größten AdWords-Anzeigenkunden zwischen dem ersten und zweiten Quartal von 17 auf 31 % gestiegen ist. Das zeigt, dass Unternehmen mittelfristig nicht mehr an der Optimierung der eigenen mobilen Website  vorbeikommen, sonst werden sie abgehängt. Die Studie zeigt aber auch, wo Potenzial selbst für diejenigen besteht, die meinen, ihre Pflicht bereits erledigt zu haben: Moovweb zufolge ging lediglich ein Drittel der Seiten über die Mindestanforderungen hinaus und war nicht nur mobil-freundlich, sondern rundum mobil-optimiert.

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