Google Buy Button

Google will mehr sein als ein Vermittler. Anlässlich eines in Wien gehaltenen Vortrags erklärte Googles Forschungschef Peter Norvig, er wünsche sich ein Ende des üblichen Ablaufs, bei dem Nutzer Suchbegriffe eingeben und die dazu passenden Links angezeigt bekommen. „Die Google-Suche tendiert dazu, sich auf kurze Phrasen zu konzentrieren, die aus Schlüsselwörtern bestehen. Ich bin mehr an komplexen Interaktionen interessiert“, sagte Norvig.

Ok Google, was soll das heißen?

Einige Fortschritte in dieser Richtung hat das Unternehmen bereits gemacht. Nun sollen Nutzer nach Möglichkeit ganze Sätze in die Suchmaschine eingeben, am besten hineinsprechen. Wenn nicht genug Informationen für die optimale Antwort vorliegen, soll Google nachfragen können.

Norvig sieht die Sprachsuche als den besten Weg. Das Unternehmen bietet sie mittlerweile auf allen Plattformen an, sogar via Google Chrome, obwohl der große Durchbruch noch auf sich warten lässt. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist der Buy Button, mit dem momentan jede Fraktion im (Social) Web den Käufer-Traffic zu sich ziehen möchte, von Twitter und Facebook über Pinterest bis zu Google. Die weltgrößte Suchmaschine will den Kaufen-Knopf zuerst für mobile Anwender auf dem US-Markt einführen; TechCrunch meldete den Teststart zum 15. Juli 2015 und der Google-Shopping-Vizechef Jonathan Alferness erklärte das Konzept dahinter auf Inside AdWords. Der Google-Schlüsselbegriff für die Strategie sind die „Micro-Moments“.

Kaufen-Knopf: Alles zu mir her!

Der Buy Button soll allerdings nicht in den normalen Suchergebnissen erscheinen, sondern nur in bezahlten Anzeigen. Von dort schickt Google den Nutzer auf eine Landingpage, wo er den Kauf abschließen kann. Google gibt die Daten dann an den E-Commerce-Anbieter weiter, der das Geschäft ganz normal abwickelt. Google verfolgt hier u.a. das Ziel, die Nutzer möglichst lange auf den eigenen Seiten zu halten, vom ersten Interesse bis zum Abschluss. Auch der Knowledge Graph und Google Now gehen in dieselbe Richtung.

SEO-Experten wie der Blogger Martin Missfeldt sehen diese Entwicklung schon seit Längerem kritisch: als Kampfansage an Amazon und eBay. Außerdem würden Händler zu Zwischenhändlern degradiert sowie wichtige Umsätze und User-Daten verlieren. Besonders kleinere Unternehmen fürchteten nun Umsatzverluste und einen Schaden an ihrer Markenidentität. Denn Google behält die generierten Kundendaten und lässt sich die Anzeigen weiter bezahlen.

Fazit: Die eigene Wertschöpfungskette untersuchen

Erst recht problematisch ist diese Entwicklung für Webmaster und die Anbieter von Inhalten. Denn Google fängt an, sich automatisiert Inhalte zu suchen und diese für die Ergebnisseiten redaktionell aufzubereiten. Bisher galt die ungeschriebene Vereinbarung, dass Webmaster und Anbieter von Internet-Inhalten diese für die Google-Suche zur Verfügung stellen und von Google interessierte Besucher vermittelt bekommen. Nun werden Händler und Inhaltsgeber aber zu bloßen Content-Lieferanten.

Wir werden uns tatsächlich genauer als bisher überlegen müssen, welche Inhalte wir Google zur Verfügung stellen. Und wo die Grenze erreicht ist, ab der wir für Google arbeiten – statt Google für uns. Wer hat nicht bei sich selbst schon bemerkt, dass oft genug schon die Info aus dem Rich Snippet genügt? Kein Klick auf das Suchergebnis, die Customer Journey endet bei Google.

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