Emojis in Suchergebnissen

Für die einen sind sie niedlich, für die anderen eine Plage: Emojis. Die kleinen Bildchen erblickten Ende der 1990er-Jahre in Japan das Licht der Welt und wurden spätestens mit Chats und Messengern wie WhatsApp weltweit populär. Teile der Netzwelt waren entzückt, als Google im März begann, die Emojis auch in den Ergebnissen der Desktop-Suche anzuzeigen.

Einen Versuch war’s wert

Für Werbetreibende boten sich damit ganz neue Möglichkeiten: ein Ponyhof mit Pferde-Icon, ein Hotel mit strahlender Sonne oder ein Friseur mit Piktogramm von Schere und Kamm. Die bunten Bilder ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und sparen zudem Platz – nach dem Motto „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Mehr als 400 Emojis standen nach Angaben von Google zur Verfügung. Besonders clever gingen die Norwegian Airlines vor: Das Unternehmen fand einen Weg, die eigene URL in Emoji-Form zu kodieren.

Screenshot aus April 2015. Heute findet man keine Emojis mehr in den Suchergebnissen.

Screenshot aus April 2015. Heute findet man keine Emojis mehr in den Suchergebnissen.

Das zeigt jedoch gleichzeitig das Dilemma: Wenn ich bei der Desktop-Suche von 100 Bildchen in allen möglichen Farben und Formen erschlagen werde, sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Am Ende ist es eine neue Art von Spam. Unternehmen und Suchmaschinenoptimierer standen vor weiteren Problemen: Google stellte Emojis zwar dar, aber erkannte sie nicht als Keywords. Diese mussten weiterhin separat aufgeführt werden.

Zudem beherrschen noch nicht alle Browser die fehlerfreie Darstellung der Minikunstwerke. Klein, aber trotzdem real ist auch die Gefahr, dass die Emojis in verschiedenen Teilen der Welt ganz anders interpretiert werden, als sie gemeint sind. Kulturelle Unterschiede sind selbst den größten Marketing-Abteilungen schon zum Verhängnis geworden.

Jetzt hat Google die Emojis still und heimlich wieder aus den Suchergebnissen verbannt – nicht ganz überraschend, denn Webmaster Trends Analyst John Mueller hatte einen solchen Schritt bereits Anfang Mai 2015 angekündigt: Die Einbindung sei leicht zu übertreiben und mache eine Menge Arbeit. Später wurde er noch deutlicher: „It is kind of a waste of time.“

Und schon sind sie zurück – mit Verstärkung

Also alles kein Thema mehr fürs Online-Marketing? Doch. Denn an Emojis kommt heute keiner mehr vorbei. In den Suchergebnissen stören sie vielleicht, aber es gibt genügend andere pfiffige Anwendungsmöglichkeiten. Microsofts Suchmaschine Bing erlaubt beispielsweise seit Oktober 2014 eine Emoji-Suche: Wer mehr über Südtiroler Äpfel der Sorte Fuji erfahren will, kann einfach ein Bild von Berg und Obst in den Suchschlitz kopieren. Und erst kürzlich überraschte die britische Firma Intelligent Environments mit dem nach eigenen Angaben weltweit ersten Pincode aus Emojis. Er soll sowohl sicherer als auch leichter zu merken sein.

Wer sich angesichts dieser Entwicklung auf die Stirn klatschen oder mit den Schultern zucken möchte, wartet am besten bis Mitte 2016. Dann nämlich gehen ganze 38 neue Emojis an den Start – auch „Face Palm“ und „Shrug“.

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