WordPress Desktop App

Bloggen sollte in der Regel möglichst einfach ablaufen – etwa wenn in einem Team technisch unerfahrene Blogger auf ihren Content achten sollen, ohne sich mit störrischen Widgets, Formatierungen usw. abplagen zu müssen. WordPress, klarer Marktführer der Content-Management-Systeme (CMS), bietet dafür seit einiger Zeit neben dem kompletten Dashboard einen aufs Wesentliche reduzierten Highspeed-Editor. Doch damit nicht genug: Jetzt gibt es eine Desktop-App für WordPress. Sie verspricht geräteübergreifend ein noch schnelleres und leichteres Management, und zwar bei Bedarf gleich gebündelt für mehrere Websites unter demselben Account. Was ist dran an dem Programm? Spielzeug oder echte Arbeitshilfe?

Einfacher Bloggen mit der WordPress Desktop-App?

Wozu soll ich mit einer App hantieren, wenn ich mein Dashboard habe? So oder ähnlich fragen die erfahreneren unter den WordPress-Usern in den Foren. In der Tat, wer die Klaviatur der zahlreichen WordPress-Tools beherrscht und dabei nicht überwiegend auf kleinen Smartphone-Displays herumfummeln muss, wird wohl auch zukünftig lieber mit dem großen Besteck arbeiten. Doch die smarten Versprechungen machen durchaus neugierig.

Zunächst ist es sehr löblich, dass keines der großen Betriebssysteme für Dektops wie für mobile Geräte außen vor bleibt. Die App setzt lediglich ein WordPress.com-Benutzerkonto voraus und hat moderate Download-Ausmaße: gut 50 MByte stationär, rund die Hälfte mobil. Ist die App heruntergeladen, müssen routinierte User sich allerdings etwas umgewöhnen.

Ein bisschen zu viel versprochen

Der Aufruf des Blogs geschieht über die App, die das Anmelden im Account selbst erledigt und dann – ohne Browser-Umgebung im Fenster – wie ein selbstständiges Programm arbeitet. Die Seiteninhalte kommen dennoch über die Internet-Verbindung. Insofern ist die WordPress-Werbung irreführend, wonach „the entire site as a local copy“ behandelt werden soll. Keine Verbindung, kein Seitenwechsel.

Die Funktionalität der App ist auf den neuen Editor beschränkt. Wer mehr will und dazu unten in der linken Seitenleiste wie gewohnt „WP Admin“ anklickt, ist flugs wieder im Browser – und muss sich erneut anmelden, falls er sich bei der letzten Sitzung dort abgemeldet hat! Hier hätten die WordPress-Entwickler der App noch einen Schuss zusätzlicher Intelligenz mitgeben sollen. Im Übrigen sind Tools und Oberfläche der App vom neuen Editor nicht zu unterscheiden.

Die WordPress Desktop-App: Für Einsteiger oder den schnellen Blog-Beitrag von unterwegs

Die kostenlose WP-Desktop-App ist für WordPress.com-Nutzer unmittelbar einsetzbar. Und sie ist für Einsteiger sicher ein Beitrag zum schnellen und weitestgehend frustfreien Start. Wer allerdings eine selbst gehostete  WordPress.org-Website hat, muss das unter Betreibern umstrittene Plugin Jetpack von Automattic aktivieren. An den generell kritischeren Kommentaren – etwa von Dr. Web – aus der WordPress.org-Gemeinde ist ablesbar, dass die App ihre Fans doch eher unter den weniger technik-affinen Bloggern findet.

WordPress.org setzt ohnehin voraus, dass Sie sich etwas intensiver mit der Software und ihrer Pflege beschäftigen. Da hierzu meist wieder die WP-Admin-Ebene gebraucht wird, dürften sich etliche Nutzer das Tanzen auf den zwei Hochzeiten App und Web für WordPress wohl lieber sparen – außer eben für zwischendurch, mal eben am Smartphone.

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